ZUM NEWS-ARCHIV
HOME

ZUM 200. GEBURTSTAG
Eduard Wehnert (1811-1847):
Mechanikus und Daguerreotypist
in Leipzig


Eduard Wehnert, dessen verwegene Selbstdarstellung die Plakate und das Katalogbuch der in diesem Jahr veranstalteten Mammutschau "Leipzig Fotografie seit 1839" schmückte, scheint die Abenteuerlust in persona gewesen zu sein. Bevor er jedoch in die Fremde zog und bis nach Paris kam, erlernte er in der Firma des Leipziger Mechanikers Johann Gottlieb Wießner das Mechanikerhandwerk von Grund auf.
1842 lesen wir zum ersten Mal von Wehnerts Aktivitäten als Daguerreotypist, als er von Paris zurückgekehrt im Garten des Dresdner Gasthauses und Hotels "Stadt Wien" auf der Neustädter Seite sein kleines Domizil aufschlägt. Er traf dort nach dem Wiener Joseph Weninger ein, der als Erster in Dresden Daguerresche Lichtbilder anbot. So schrieb das Pirnaer Wochenblatt am 19. März 1842, dass ...
„noch nicht acht Tage ins Land gegangen, als schon ein zweiter Künstler, ein Herr Wehner, Optikus aus Leipzig, dieselben Lichtbilder weit schneller noch zu fertigen weiß und auch schöner und billiger zu liefern verspricht. Herr Wehner, sich zur Zeit noch in Paris befindend, hat einige von ihm gefertigte Exemplare zur Ansicht anhero (gemeint ist Dresden) gesendet, nimmt für ein 5–6 Zoll hohes Portrait, incl. Glas und Rahmen nur 3 Thaler, was Jenem (also Joseph Weninger) 7 Thlr. kostete, und wir haben von beiden Künstlern gefertigte Portraits gesehen, und müssen es zugestehen, daß die des Herrn Wehner, weit vorzüglicher, kräftiger und ähnlicher sind. Bei einem weiblichen Portrait, das wir sahen und welches im Garten des Hotels Stadt Wien (in Dresden) gefertigt wurde, hatte der Wind einen Baumzweig so bewegt, daß er die Linie (soll wohl Linse heißen) durchstreifte und und sich auf das Bild mit einschwärzte. Uebrigens eignet sich diese neue Manier mehr zur Aufnahme architektonischer Gegenstände als zu Portraits, dort kommt es weniger auf Kolorit und Ausdruck an als bei diesen und so naturgetreu bis in die feinsten Nuancen, vermag vielleicht kein Pinsel irgend ein Gebäude wiederzugeben, als es durch diese Lichtbilder geschieht; selbst bei den Portraits gewahrt man auf den ersten Blick, daß sich das Gesicht eines bejahrten, ernsthaft und scharf gezeichneten Mannes, besser darstellt, als ein weibliches. Noch müssen wir bemerken, daß die von Herrn Weninger gefertigten Portraits nur von einer gewissen Seite betrachtet, dem Original ähnlich sind, während die des Herrn Wehner nach allen Richtungen hin, wie jedes andere Bild gehalten, vollkommen dem Originale gleichen.“
Um ein Haar wäre Eduard Wehnert der erste Daguerreotypist in Dresden gewesen, denn nur wenige Tage trennen seinen Auftritt von dem Weningers.
Bekanntlich hat sich Wehnert dann in Leipzig, seiner Heimatstadt, niedergelassen, doch reist er auch in den nächsten Jahren immer wieder durch Sachsen, nach Schlesien und ins böhmische Bäderdreieck. Auch nach seiner Hochzeit mit Bertha Beckmann 1845 treibt es ihn häufig zu Studienzwecken und zum Broterwerb in die Welt hinaus, im Frühjahr 1847 zum Beispiel nach Wien. Doch im gleichen Jahr trifft ihn ein Nervenschlag und er stirbt mit nur 36 Jahren in Leipzig in seiner Wohnung, am 7. August, früh um 7.45 Uhr. Mit ihm verlor Deutschland einen wirklichen PIONIER der Fotografie.

Nebenstehend: Eduard Wehnert auf einem Stuhl sitzend, Daguerreotypie ca. 1843, möglicherweise von seinem Bruder Johann Karl aufgenommen, mit dem er anfänglich gemeinsam daguerreotypierte. Museum für Angewandte Kunst, Grassimuseum Leipzig. Auf dem Passepartout bezeichnet "Eduard Wehnert fec."

 


   
   
NACH OBEN
  3535