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BISSON-DAGUERREOTYPIEN BEI WESTLICHT


Das Wiener Auktionshaus Westlicht überrascht in seiner Auktion am 28. Mai 2011 mit zwei Architektur-Daguerreotypien von Auguste Rosalie Bisson (1826-1900). Der gebürtige Pariser "war als Fotograf von 1841 bis zu seinem Tod 1900 aktiv. Anerkennung verschaffte er sich vor allem durch seine bekannten Aufnahmen vom Gipfel des Mont Blanc, die er zusammen mit seinem Bruder Louis Auguste (»Frères Bisson«) im Sommer 1861 machte. Diese Silbergelatine- und Albuminabzüge gelten als überaus bedeutende Leistungen in der Fotogeschichte. Auguste Rosalie lernte die Technik der Daguerreotypie von seinem Vater, mit dem er gemeinsam 1841 ein Foto-Studio in der Rue Saint Germain l’Auxerrois 65 eröffnete. Daguerreotypien von Bisson tauchen nur sehr selten am Kunstmarkt auf, die zwei hier angebotenen Platten sind außerdem die einzig bekannten Außenaufnahmen in dieser Technik von ihm. Die Aufnahmen zeigen die zwei Tore Porte Notre-Dame und Porte d’Arras (Porte de Cantimpré) in der nordfranzösischen Stadt Cambrai. Die Viertel-Platten sind 1842 entstanden, zu einer Zeit als die Daguerreotypie noch in ihren Kinderschuhen steckte, und zählen außerdem zu den frühesten Arbeiten Bissons." (Originaltext Westlicht)
Westlicht schätzt die Daguerreotypien auf je ca. 60.000 - 80.000 EUR und beginnt mit einem Startpreis von 35.000 EUR.

Es sei eine kleine Korrektur erlaubt, denn es war nicht Auguste Rosalie, der mit seinem Vater ein Daguerreotypie-Atelier in der Pariser Rue Saint Germain l’Auxerrois 65 eröffnete und führte, sondern sein älterer Bruder Louis Auguste (1814-1876). Auguste Rosalie arbeitet zwar mit, war aber auf Grund seines Alters noch nicht in der Verantwortung. Dass die von Westlicht angebotene Aufnahme "Porte Notre Dame à Chambrai vorderseitig die Datierung 1842 und rückseitig die handschriftliche Autorisierung "Auguste Rosalie Bisson" trägt, ist deshalb sehr erstaunlich. Gleiches trifft auf die zweite Daguerreotypie "Porte d´Arras) zu.

NACHTRAG
Die Daguerreotypie "Porte Notre-Dame (oberes Bild) wurde für 102.000 EUR (incl. Aufpreis), die Daguerreotypie "Porte d´Arras" (unteres Bild) für 120.000 EUR (incl. Aufgeld) zugeschlagen.

Nebenstehend zeigen wir Beispiele von Pferdestudien Louis Auguste Bissons. "In den 1840er Jahren dokumentierte Bisson neben den verschiedensten Typen menschlicher Exemplare und Artefakte auch preisgekrönte Kühe, Pferde und Schafe, entweder im Auftrag der Züchter, für landwirtschaftliche Zeitschriften oder für maler und Bildhauer, die sich auf die zu jeber Zeit beliebten Tiersujets kapriziert hatten." (Anne McCauley in: Die Brüder Bisson. Aufstieg und Fall eines Fotografenunternehmens, Verlag der Kunst 1999)
Man nimmt an, dass er z.B. für die Malerin Rosa Bonheur (1822-1899) arbeitete, welche er seit seiner Kindheit kannte. Sie trat 1841 mit ersten Arbeiten in das Licht der Öffentlichkeit und wurde später die wohl bedeutendste Tiermalerin des 19. Jahrhunderts.

1. gefleckte Stute,
1840er Jahre, Daguerreotypie, Paris, Musée d'Orsay

2. Das Pferd "Surprise",
1842, Daguerreotypie, ehemals in der Fotografie-Sammlung der Gilman Paper Company, Georgia (USA), nach deren Bankrott 2003 am 15. Mai 2007 bei ARTCURIAL (Briest-Poulain-F. Tajan) in Paris für 22306 EUR versteigert.

3. Das Pferd "Cleveland", Daguerreotypie, 1842-43, The Cleveland Museum of Art, USA

4. Das Pferd "Methodist", 1840er Jahre, Daguerreotypie, Privatbesitz

 


   
   
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