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FASSUNG VON DAGUERREOTYPIEN:
RICHARD BEARD


Dass Erlesenes auch in Zeiten wirtschaftlicher Rezessionen seine Abnehmer findet, während mittelmäßiges kaum zu verkaufen ist, zeigte unlängst wieder einmal das Auktionsgeschehen auf ebay im Bereich früher Photographie. Ein völlig unberührtes, datiertes, bestens erhaltenes und sogar mit Identität versehenes Porträt aus einem der frühen Beard-Studios in England brachte nach heftigem Bietergefecht stolze 2580,00 US-Dollar ein.
Uns interessiert allerdings weniger dieses Ergebnis, als vielmehr die Gelegenheit, unser Wissen um die frühen Fassungen von Daguerreotypien zu erweitern.
Über Richard Beards geschäftliche Bemühungen haben wir bereits an anderer Stelle berichtet (LINK 1).
Aber auch über Beards Fassungen von Daguerreotypien haben wir schon Details publiziert. (LINK 2), (LINK 3) und (LINK 4).
Die hier vorzustellende Daguerreotypie wurde auf ihrer Rückseite in zeitgenössischer Schrift mit dem Namen des Dargestellten und mit dem Aufnahmejahr 1842 versehen. An der Authentizität gibt es keine Zweifel. Abgelichtet wurde Samuel Oliver Pierce, ein in London auf der Dean Street im Stadtteil Soho (im Richmond Building) lebender Juwelier. Im Jahr 1842 existierten drei Beard-Studios in London.
Die Fassung der Daguerreotypie besteht aus einem in Messing gegossenen Metallrahmen, der wie ein kleiner Bilderrahmen wirkt. Auf- bzw. eingelegt sind eine Glasscheibe, das Passepartout, die eigentliche Daguerreotypie im Neuntel-Format und ein "kuchenblechartiges" Unterteil.
Das Passepartout mit seinem körnigen Fond, auf dem sich erhaben arabeskenartige Ornamente befinden, besteht aus gegossenem Messing. Direkt unter dem Bildnis, am Rand des ovalen Passepartoutauschnittes, befindet sich die (erhaben mitgegossene) Inschrift "BEARD PATENTEE".
Das Bildnis samt Rahmen ist in einer mit schwarzem Lack versehenen Platte befestigt (die es sowohl aus Holz als auch aus Papiermaché gibt), wozu sich in ihr eine rechteckige Aussparung befindet. Die Daguerreotypie samt Metallrahmen wird von vorn in die Aussparung gedrückt. Auf der Rückseite der Metallfassung befinden sich kleine Laschen, die umgebogen werden und damit ein Herausrutschen der Daguerreotypie verhindern. Um auch von hinten ein optisch ansprechendes Bild zu gewährleisten, wurde vollflächig ein Papierblatt aufgezogen, durch das sich die Daguerreotypie markiert.
Es bleibt zu vermuten, dass sich unter dem beschrifteten, hellen Papier der Rückseite (gedruckte) Angaben zu Beards Atelier auf dem blauen Papier befinden, wie sie Robert B. Fisher in seinem Beard-Aufsatz von 1992 (1) veröffentlicht hat.

Zum Aufhängen des Bildes ist am oberen Rand der Platte ein Ring angebracht samt einem aus Messing gegossen Beschlag, der wie eine gebundene Schleife wirken soll. Auch er trägt die Inschrift "BEARD PATENTEE".
Insgesamt nimmt diese Art der Daguerreotypie-Fassung ein von der Miniaturmalerei her geläufiges Modell auf. Seit den 1790er Jahren waren nämlich in England ganz ähnlich gestaltete Platten aus schwarz lackiertem Papiermaché (man bezog sich auf die Ostasien-Mode jener Zeit und nannte diese Art "black Japanned papier maché") in Gebrauch, in die kleine Messingrähmchen mit den jeweiligen Bildnissen eingesetzt waren. Auch sie trugen am oberen Rand einen kleinen Beschlag mit beweglichem Aufhängering.
Das hier vorgestellte Passepartout gehört in die "de luxe"-Kategorie, aber es gibt auch ganz glatte, unaufwändige Passepartouts, die entsprechend weniger kosteten.

(1) Robert B. Fisher: The Beard Photographic Franchise in England. In: The Daguerreian Annual 1992, S. 73-95.


  ganz oben: Ansicht des kompletten Bildes, Beard-Studio 1842

mittig:
am Rande des ovalen Ausschnitts befindet sich die Inschrift "BEARD PATENTEE"

darunter: unversehrte Rückseite mit Inschrift

links: Detailaufnahme


   
   
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