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AUKTION IN NEW YORK

Für einiges Unverständnis sorgte bei vielen Photographiesammlern weltweit die Art und Weise, mit der ein New Yorker Auktionshaus den ersten Teil der weltberühmten Naylor Collection zur Auktion brachte. Wie heute allgemein üblich, konnten sich internationale Interessenten via Internet am Bietgefecht beteiligen. Voraussetzung wäre allerdings eine fachgerechte Präsentation durch den Auktionator gewesen, welche Fotos in brauchbarer Größe und Qualität sowie eine Beschreibung der Stücke einschließt. Leider waren die ins Netz gestellten Abbildungen in den meisten Fällen winzig bzw. einfach schlecht und gestatteten dadurch keaum ein Urteil zur Qualität des jeweiligen Stücks. Zustandsbeschreibungen gab es nicht, Mängel wurden nicht aufgeführt. Seitenlange Geschäftsbedingungen dürften viele abgeschreckt haben, sich an der Auktion zu beteiligen. So blieben die amerikanischen Händler weitgehend unter sich und kamen häufig in den Genuss relativ niedriger Zuschlagspreise. Verfolgt man die Auktionsergebnisse, so lässt sich dieses Fazit durchaus ziehen. Man darf gespannt sein, mit welchen Aufschlägen nun die zum Zwecke des Wiederverkaufs erworbenen Stücke erneut in den Handel gelangen.
Ungeachtet dessen darf man konstatieren, dass eine der wundervollsten Sammlungen zur Versteigerung kam, die je das Licht eines Auktionshauses erblickte.


Am 26. November 2007 starb "Jack" Naylor an den Folgen seiner Krebserkrankung. Mit ihm verliert die Welt einen Sammler von Weltgeltung.

Eine Mini-Auswahl an Daguerreotypien der Naylor Collection, die kürzlich versteigert wurden:

ganz oben: Daguerreotypie mit dem Bildnis einer Frau, die ihre Katze im Arm hält. Ein extrem seltenes Motiv, dass zu einem sensationell niedrigen Preis von 1400 Dollar zzgl. 22 % Taxe seinen Käufer fand.

darunter: Daguerreotypie mit dem ganzfigurigen Porträt eines Mannes am Tisch - eine sehr frühe und motivisch äußerst reizvolle Aufnahme. Lediglich 600 Dollar zzgl. 22 % Taxe waren dafür zu berappen.

darunter: Nur 950 Dollar zzgl. 22 % Taxe musste für das Doppelbildnis gezahlt werden, auf dem neben den kleinen Darstellern am unteren linken Bildrand ein Spielzeugpferd zu sehen ist.
rechts: Eines der Spitzenlose war eine Platte im extrem seltenen Mammut-Format aus dem Studio des Bostener Daguerreotypisten John Whipple, die für 45 000 $ plus 22 % Aufgeld ihren Besitzer wechselte. Die Daguerreotypie, die den Bostoner Kaufmann Stephen Tilton (1790-1857) mit seiner Frau Priscilla im Kreise von 12 Kindern zeigt, entstand um 1846.
Antiquität und Trödel

Das Schloßbergmuseum Chemnitz begann am 11. November 2007 mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Antiquitäten und Trödel" in Anlehnung an beliebte Fernsehsendungen. Für die erste Veranstaltung hatte Museumsleiter Uwe Fiedler die Kuratoren der gegenwärtig laufenden Ausstellung "Spiegelbilder. Europäische und amerikanische Porträtphotographie 1840-1860" eingeladen, May und Jochen Voigt. Sie standen allen interessierten Besitzern und Liebhabern historischer Photographien zwei Stunden Rede und Antwort. Mit welcher photographischen Technik wurden die vorgeführten Photos hergestellt, wie alt waren die mitgebrachten Aufnahmen und was sind sie eigentlich wert? Wie kann man sie sachgerecht aufbewahren und welche restauratorischen Maßnahmen sind nötig oder möglich? Wie erkennt man die unterschiedlichen photographischen Verfahren?
Das waren Fragen, welche die Besucher in erster Linie interessierten. Es war dabei zweitrangig, ob es sich um Porträtaufnahmen, Stadtansichten oder Architekturaufnahmen handelte. Im zwanglosen Gespräch wurden die Stücke kostenfrei begutachtet und bestimmt. Als besonders interessant erwies sich ein Konvolut von großformatigen Landschaften und Städtebildern aus Afrika, die von den dort in den siebziger bis achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts tätigen Photographen Hippolyte Arnoux und G. Sarolides stammten.

AUKTION IN KÖLN

Das Auktionshaus van Ham in Köln wartet zu seiner diesjährigen Herbst-Photo-Auktion (28.11.2007, Vorbesichtigung 21. - 27.11.2007) mit einigen interessanten Daguerreotypien auf, unter denen zwei Arbeiten des Bremer Daguerreotypisten Eduard Feilner besonders auffallen. Feilner, der vor allem mit seinen vielfigurigen und großformatigen Aufnahmen bekannt wurde, war sicherlich die unangefochtene Nummer 1 in Bremen und Umland. Ein besonders schönes Stück ist die querformatige halbe Platte "Familie Dr. Elard Meyer", die zudem mit einem bei Feilner häufiger anzutreffenden Passepartout in Schwarz mit goldfarbenen "Lebensrädern" aus geprägtem Papier in den Zwickeln versehen ist (Lot 108).
Ein Leckerbissen der besonderen Art stellt das Vierfach-Etui dar, in dem sich vier (!) Aktdaguerreotypien befinden (Lot 116). Es handelt sich dabei um jeweils die Hälfte einer Stereodaguerreotypie aus Paris, also um vier halbierte "Akademien", die man in einem amerikanischen Doppel-Union-Case untergebracht hat. Es kam häufiger vor, dass man solche Stereo-Daguerreotypien auseinander nahm, weil eine der Hälften defekt war.
Bei der Beschreibung von Lot 110 , einem Männerporträt im sechstel Format (Abb. rechts), scheint ein Lesefehler unterlaufen zu sein. Der angegebene Daguerreotypist F. Mann aus Nürnberg hat jedenfalls nicht existiert, so dass nur eine Namensverwechslung vorliegen kann. Gemeint ist sicherlich Friedrich Hahn, der erste Daguerreotypist Nürnbergs, der 1846 sein Atelier vor dem "Neuen Thor" eröffnet hat. Dafür spricht nicht zuletzt das von Hahn bereits bekannte Passepartout, bei dem der rechteckige, im gedruckten Oktogon sitzende Ausschnitt mit feinen Goldpapierlinien umrandet ist. Ein autorisiertes Vergleichstück mit ganz ähnlichem Rahmen findet sich in der Publikation "Spiegelbilder. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie 1840-1850", Seite 92. Daguerreotypien von F. Hahn tauchen sehr selten auf, ein weiteres Belegstück seiner Tätigkeit befindet sich im Kupferstichkabinett Dresden.
GEBRÜDER FRAENKEL AUS HAMBURG

Die Direktorin des Bornholm-Museums in Bornholm (Dänemark), Frau Ann Vibeke Knudsen, übermittelte uns freundlicherweise Daten zu einer Daguerreotypie des Hamburger Daguerreotypisten L. J.Fraenkel, genannt Fraenkel senior, die sich in ihrem Museum befindet. Es handelt sich um das Porträt des Bornholmer Johan Agnus Curdts (1823-1896), das wahrscheinlich kurz nach seiner Rückkehr von den Ostindischen Inseln Ende der 1840er Jahre in Hamburg entstand. Curdts war ein Abenteurer - er suchte sein Glück auch als Goldsucher in Australien und in Kalifornien. Ein späteres Photo aus den 1890er Jahren zeigt Curdts in seinem Bornholmer Wohnhaus (mittig sitzend mit hochgelegten Beinen, leider im Gesicht überstrahlt), neben sich seine Frau.
Fraenkel senior und sein Bruder gehörten zu den frühen Photographen im norddeutschen Raum. Bevor sie sich mit ihren Lichtbildateliers sesshaft machten, zogen sie als Wanderdaguerreotypisten übers Land. Wilhelm Weimar hat uns einige Angaben über Fraenkels Sesshaftmachung in Hamburg hinterlassen. So offerierte L. J. Fraenkel senior am 21. Juli 1845 zum ersten Mal seine Dienste in Hamburg, als er Daguerresche Porträts beim Wettrennen in Wandsbeck empfahl. Am 9. August 1845 eröffnete er für ein Jahr sein Atelier am Spielbudenplatz 3, am 8. August 1846 wechselt er zum Spielbudenplatz 10. Für den 22. Mai 1847 gibt Freaenkel senior "St. Pauli Circus sowie Nr. 10 daselbst" (1) als neue Adresse an. Ab dieser Zeit bis zum Ende des Jahres 1852 bleibt Fraenkel senior allein auf dieser Adresse gemeldet, weshalb man die Bornholmer Daguerreotypie in diesen Zeitrahmen datieren muss. Sie trägt auf der Rückseite ein Etikett mit dem entsprechenden Angaben (Abb. unten).
Interessant ist die Tatsache, dass Fraenkel wie sein jüngerer Bruder S. Fraenkel junior leuchtend blaue Passeapartouts benutzt hat. Auch die Verwendung eines gemalten Hintergrundes - hier mit einem steilen Felsmassiv - hat Parallelen zum Werk des Bruders. Vom jüngeren Fraenkel sind nämlich bislang zwei verschiedene, gemalte Rückbilder bekannt. Eine im Mai 2005 bei Bassenge Berlin versteigerte Daguerreotypie mit eben solchem leuchtend blauem Papier und einer gemalten Küstenlandschaft wurde damals dem jüngeren Freaenkel zugeschrieben, da dessen Daguerreotypien durch Veröffentlichung bereits bekannt waren.(2) Nun zeigt uns der neue Fund aus Bornholm, dass offenbar BEIDE Fraenkels in gleicher Manier arbeiteten.
Wer von beiden Daguerreotypisten der "bessere" Künstler war, bleibt aufgrund des geringen Vergleichsmaterials offen. Auch wissen wir nicht, wer für die Ausführung der Hintergründe verantwortlich zeichnete.

1 Wilhelm Weimar: Die Daguerreotypie in Hamburg 1839-1860, Hamburg 1915, S. 40.
2 Auktionskatalog Galerie Bassenge, Auktion 85, 25.05.-01.06.2005, Lot 4122.

links: Etikett der Bornholmer Daguerreotypie.
   

   
   
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