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ANFRAGE ZU CHRISTOFLE

Kollegin Anne Jüster, Bergen Museum / Universität Bergen in Norwegen, fragt an, ob bezüglich des rechts abgebildeten Schlagstempels der Pariser Firma Christofle nähere Angaben gemacht werden können. Die viel geläufigere Form des auf Christofle-Daguerreotypieplatten verwendeten Stempels ist die halbrunde Form. Der hier benutzte Rhombus dürfte wesentlich seltener, weil vielleicht nur kurze Zeit, zum Einsatz gekommen sein. Im Inneren des Rhombus befinden sich eine Waage und die Initialen CC.
Charles Christofle, der Begründer des heute noch existierenden Unternehmens, führte bis 1830 eine nur kleine Bijouterie in Paris – hier wurden goldene Knöpfe und solche aus Perlmutt hergestellt, auch Vergoldungen zählten zum Arbeitsfeld. Als Christofle 1840 zwei Patente aufkaufte, in denen es um die elektrolytische Versilberung ging, war dies der Start einer beispiellosen Karriere. Während man bisher die Technik des Feuerversilberns praktizierte, bei der das hochgiftige Quecksilber zum Einsatz kam, konnte nun viel preiswerter, gleichmäßiger und umweltfreundlicher mittels elektrischem Gleichstrom versilbert werden. Die Idee war genial und Christofle musste seine Patente gegen hunderte (!) Kontrahenten auf dem Gerichtsweg verteidigen, was ihm aber erfolgreich gelang. Was lag näher, nicht nur Tafelgeschirre und Bestecke zu versilbern, sondern auch Daguerreotypieplatten? Also verließen seine Fabrik in Saint Denis fortan auch elektrolytisch "plattierte" Platten für Photozwecke, die bis nach Amerika exportiert wurden.
Wer kann helfen und diesen Schlagstempel zeitlich näher eingrenzen?



AUKTIONEN

Als das Wiener Auktionshaus Westlicht im Frühjahr 2007 mit einem sensationellen Fund an die Öffentlichkeit trat, war schnell klar, dass hier mit einem Spitzenerlös zu rechnen sei. Und tatsächlich fiel der Hammer für die älteste Kamera der Welt am 26. Mai bei 590 000 Euro.
Auf einem Dachboden hatte man eine Daguerresche Holzkamera der Gebrüder Susse aus Paris entdeckt, die noch vor den Kameras von Giroux in kleiner Stückzahl in den Handel kam. Am 5. September 1839 warben die Susse fréres in der Zeitung "La Quotidienne" dafür, bislang einziger Beweis für die Existenz solcher Kameras.
Bis dato war keine originale Kamera diesen Typs bekannt, so dass der Fund einen wichtigen Baustein der frühen Photographiegeschichte verkörpert. Das Stück stammt aus dem einstigen Besitz von Prof. Max Seddig (1877-1963), der das Institut für angewandte Physik in Frankfurt a.M. leitete. Aus seinem Besitz ging es an seinen Assistenten, den späteren Professor an der Universität Frankfurt Günter Haase über. Als dieser 2006 starb, entdeckte sein Sohn die spektakuläre Kamera im Nachlaß.

Die Photographie-Auktion bei van Ham in Köln im Mai 2007 erzielte für die bei uns bereits vorgestellte Daguerreotypie des Bunzlauer Viaduktes ein Ergebnis von 6 900 Euro.


VORANKÜNDIGUNG

Am 3. Oktober wird das zu den Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz gehörende Schlossbergmuseum (Museum für Stadtgeschichte) die Sonderausstellung "SPIEGELBILDER. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie 1840-1860" eröffnen. Im Refektorium des einstigen Benediktinerklosters werden Daguerreotypien aus mehreren Ländern zu besichtigen sein. Für die Dauer von fünf Monaten erhält das berühmte Heilige Grab (eines von nur drei weltweit existierenden Monumentaldarstellungen des Grabes Christi) Gesellschaft durch 100 ausgewählte Porträt-Daguerreotypien, die May und Jochen Voigt aus Chemnitz in über 20jähriger Sammeltätigkeit weltweit zusammentrugen. Beide Sammler kuratieren die Exposition, zu der ein umfangreiches Katalogbuch erscheinen wird. Nach den wundervollen Daguerreotypieausstellungen in Winterthur, Wien und Linz wird es damit seit langem auch in Deutschland wieder eine ausschließlich den Silberbildern gewidmete Museumsausstellung mit Begleitpublikation geben.
In der nächsten Ausgabe berichten wir Näheres.


RÜCKBLICK
AUSSTELLUNG IN LINZ

In Linz ging kürzlich die Ausstellung "fokussiert. Frühe Fotografien aus dem Nordico. Die Sammlung Pachinger" zu Ende. Kuratorin Dr. Gabriele Hofer und das Ausstellungsteam des Museums Nordico um Projektleiter Dr. Herfried Thaler stellten in einer aufwändigen Exposition einen der bedeutendsten Daguerreotypie-Bestände Österreichs vor. Präsentiert wurden die Stücke in speziellen Vitrinen, mit denen die Fotostiftung Schweiz in Winterthur dem Projekt zur Seite stand. In ihnen waren bereits vorher die Daguerreotypien der Sammlung Bosshard in Winterthur ausgestellt worden. Sechzehn dieser Großvitrinen füllten nun zwei große Räume im Nordico, während in drei weiteren Räumlichkeiten frühe Papierphotographien zur Ansicht kamen.
Mit der Sammlung Anton Maximilian Pachinger gelangten neben hunderten Salzpapierphotos, Cartes de Visite und anderen Belegstücken früher Photographie 1938 auch mehr als 110 Daguerreotypien in den Besitz der Stadt Linz.
"Die Porträtfotografie, deren Entwicklungsgeschichte Anton Maximilian Pachinger von der Daguerreotypie bis zur Carte-de-Visite verfolgte, stellt sowohl einen Sammlungs- wie Ausstellungsschwerpunkt dar. Die Schau spannt somit einen Bogen von der Daguerreotypie bis zur ersten Popularisierung des Mediums durch die Visitkartenfotografie, die Ende der 1850er Jahre modischer Massenartikel wurde." (Museum Nordico Linz) Unter den ausgestellten 140 frühen photographischen Zeugnissen aus der Sammlung Pachinger, unter denen die Daguerreotypien den Schwerpunkt bildeten, ragten die früheste Darstellung des Heidelberger Schlosses (vor 1841) und die Bildnisse Adalbert Stifters und seiner Frau Amalie Stifter, geborene Mohaupt heraus. Einen Schatz stellen übrigens auch die Künstlerbildnisse auf Salzpapier des Münchner Photographen Alois Löcherer dar, die ebenfalls zur Sammlung Pachinger gehören und in der Ausstellung gezeigt wurden.
Allen Interessierten bleibt nach Schließung der Ausstellung der gleichnamige, von Gabriele Hofer verfasste und reich bebilderte Katalog, über den wir an anderer Stelle ausführlich berichten werden. Das umfangreiche Werk (222 Seiten) ist unter ISBN 3-85484-090-91 im Museum Nordico erhältlich und kann per email geordert werden. nordico@mag.linz.de
Frau Dr. Hofer danken wir herzlich für die Übermittlung des Bildmaterials.

 

oben: Christofle-Schlagstempel


darunter: Die spektakuläre Kamera der Gebrüder Susse in der Westlicht-Auktion Nr. 11
© WestLicht Photographica Auction Wien

darunter: Ausstellungsflyer "Spiegelbilder" des Chemnitzer Schloßbergmuseums

darunter: Blick in den "Daguerreotypie-Teil" der Ausstellung "fokussiert" im Museum Nordico Linz
Fotos: Antonin Pevny, Linz

links: Blick in eine der Ausstellungsvitrinen der Ausstellung "fokussiert" im Museum Nordico Linz mit Daguerreotypien, die ihr Licht von oben durch die integrierte Beleuchtung erhalten.
Foto: Antonin Pevny, Linz


   
   
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