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PHOTO ANTIQUARIA MIT NEUEM GESICHT

Seit Februar 2007 erscheinen die bisherigen Periodika "Club Daguerre aktuell" und "Photo Antiquaria", beide herausgegeben vom Club Daguerre, vereinigt unter dem Titel "Photo Antiquaria". Redaktion und Layout liegen bei Klaus Kemper und damit in bewährten Händen. Die Zeitschrift, die der Vereinsstruktur angemessen vor allem Beiträge zur Phototechnik, Firmengeschichte, Kinematographie u.ä. publiziert, bringt in Heft 78 vom Februar 2007 einen Artikel von Günter Gymnich unter dem Titel "Union Cases - Ein faszinierender "Wimpernschlag" in der Geschichte der Photographie", der für Daguerreotypiesammler von Interesse ist. Unter Zuziehung des wichtigen Standartwerkes "Unions Cases A Collector`s Guide to the Art of Americas First Plastics" von Clifford und Michelle Krainik stellte Gymnich Wissenswertes für Sammler von Daguerreotypien zusammen. Herr und Frau Krainik sind – dies sei am Rande erwähnt – auch Spezialisten für das Leben und Wirken des amerikanischen Photographiepioniers John Plumbe Jr. Das mit historischen Photographien handelnde Sammlerpaar trug eine beeindruckende Daguerreotypie-Kollektion zu Plumbes Schaffen in den USA zusammen.

SCHLESISCHE KOSTBARKEIT

In seiner aktuellen Photographieauktion (11. Mai 2007) wird das Auktionshaus van Ham in Köln eine beeindruckende großformatige Daguerreotypie zum Ausruf bringen, die im schlesischen Bunzlau in der Mitte der 1840er Jahre entstand. Die Aufnahme zeigt das große Bunzlauer Viadukt über den Bober während der Bauphase. Bunzlau, heute in Polen gelegen, war eine preußische Kreisstadt (Kreis Bunzlau), etwa 50 km von Liegnitz entfernt. Besonders bekannt wurde sie durch ihre Töpferwaren und durch die Herstellung von Tonrohren und keramischen Öfen. Um 1845 arbeitete der Daguerreotypist Eduard Scholz in Bunzlau, der als Urheber dieser halben Platte in Frage kommen dürfte.


SELBSTPORTRÄT EDUARD SCHOLZ

Das Auftauchen der Bunzlauer Daguerreotypie zum Anlaß nehmend, soll der bereits erwähnte Daguerreotypist Eduard Scholz mit einem Selbstporträt vorgestellt werden, das er in den 1840er Jahren in Bunzlau fertigte. Es hat sich glücklicherweise in Görlitz erhalten, wo es zur Sammlung des Barockhauses Neißstraße gehört. Die Restaurierung und Konservierung dieses Bestandes hat uns auch einen näheren Blick auf das Scholzsche Selbstporträt werfen lassen. Die kleine Platte (sie entspricht etwa dem 1/6-Format) besitzt stark abgerundete Ecken und trägt am oberen Rand den Schlagstempel des Plattenherstellers. Er ist leider durch den Beschnitt der Platte fast unkenntlich gemacht, doch reichen die wenigen Reste für eine Bestimmung aus: "... co. ROSENTH. STR. ... " bedeutet, dass die versilberte Platte in der Fabrik Müller & Co. auf der Rosenthalstrasse 55 in Berlin entstand.
Die Daguerreotypie stammt aus dem Nachlass des Görlitzer Photographen Robert Scholz, des Sohnes von Eduard Scholz. Sie ist von Hand beschriftet, woraus sich die Identität des Abgebildeten sicher erschließt.
Nur selten wird uns der Wunsch nach dem authentischen Porträt eines Daguerreotypisten erfüllt, wie dies hier der Fall ist. Scholz betrieb ein kleines Geschäft in Bunzlau und dürfte um 1845 mit dem Daguerreotypieren begonnen haben. Später hat er sich auch mit der Papierphotographie beschäftigt und diese Kenntnisse an den Sohn weiter gegeben.

Unser Dank geht an die Mitarbeiter der Görlitzer Sammlungen, die einer Veröffentlichung des Porträts freundicherweise zustimmten, aber ebenso auch an das Auktionshaus van Ham in Köln, das Fotos der Brücken-Daguerreotypie übermittelte.

 


oben: PHOTO ANTIQUARIA Nr. 75 vom Februar 2007

darunter: Daguerreotypie (10 x 16,8 cm), Auktionshaus van Ham Köln, Auktion Photographie 11. Mai 2007. Die möglicherweise von Eduard Scholz gefertigte Platte zeigt das Bunzlauer Viadukt.

darunter: Selbstbildnis des Buntzlauer Daguerreotypisten Edard Scholz, 1840er Jahre.

links: Detailvergrößerung


   
   
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