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WER KANN HELFEN ?


Kuratorin Saskia Asser aus dem Huis Marseille, Museum for Photography in Amsterdam bat uns um Mithilfe bei der Identifizierung eines unbekannten Daguerreotypisten, aus dessen Atelier sich mehrere Daguerreotypien - darunter ein Selbstporträt mit Kamera und Objektiven - erhalten haben. Alle Stücke sind durch eine markant gestreifte Tischdecke als einer Gruppe zugehörig zu identifizieren. Wer kennt diesen Daguerreotypisten oder besitzt selbst eine daguerresche Aufnahme aus dessen Studio? Es könnte sich um ein deutsches Atelier handeln. Bitte kontaktieren Sie uns, wir leiten Ihre Hinweise gern weiter.
















BEDEUTENDE DAGUERREOTYPIEN
AUF AUKTIONEN im 2. HALBJAHR 2006


Liebe Freunde der Daguerreotypie,
heute stellen wir wieder bemerkenswerte Stücke vor, die uns bei Auktionen der letzten Monate auffielen. Selbstverständlich handelt es sich um eine rein subjektive Auswahl, an der wir Sie aber gern teilhaben lassen wollen.

Besonderes Glück darf man dem Erwerber dieser im Auktionshaus Bassenge Berlin zur Photographieauktion Anfang Dezember 2006 zum Ausruf gekommen Daguerreotypie im Sechstel-Format bescheinigen, denn mit einem moderaten Zuschlag bei 500 EUR (plus Aufgeld) wechselte ein wunderbar komponiertes und ohne Eingriffe überliefertes Stück in prächtiger zeitgenössischer Rahmung seinen Besitzer - das Porträt eines unbekannten Herrn. Als Entstehungsort ist Hamburg zu vermuten. Rankende Pflanzen in einem Körbchen sind immer wiederkehrende Accessoires auf mehreren für Hamburger Ateliers verbürgten Daguerreotypien, etwa bei Ferdinand Stelzner und bei Wilhelm Breuning.

Als wirkliches Highlight schätzen wir die Daguerreotypie einer unbekannten Frau in einem (Theater?)Kostüm ein, die im Studio von Victor Plumier in Paris entstand. Seit ca. 1848 verwendete man die hier vorliegende Fassung, so dass man das seltene Stück in die Jahre um 1850 einordnen muss. In der Photographie-Auktion bei Lempertz am 2.12.2006 wurde die halbe Platte bei 3400 EUR (ohne Aufgeld) zugeschlagen.

Larry Gottheim, USA, brachte im Dezember zur 48. Photographieauktion in New York City am 7. Dezember 2006 ein charismatisches Männerporträt (sechstel Platte) zur Versteigerung, das zu einem heftigen Bietergefecht führte. Von (viel zu) niedrig geschätzten 240 US-Dollar kletterte das Bildnis auf 1900 US-Dollar. Der Photograph dieses Porträts ist unbekannt, das Stück selbst zweifellos amerikanisch.

Eine Wertsteigerung - wenn auch in anderen Dimensionen - erfuhr ebenso das Bildnis des amerikanischen Dichters Edgar Allan Poe, des "Erfinders" der short story, das bei Sotheby`s in New York am 17. Oktober 2006 zur Versteigerung kam. Von geschätzten 30 000-50 000 US-Dollar stieg die Daguerreotypie auf 150 000 US-Dollar. Bei dem durch leichte Wischer im Gesicht beeinträchtigten Bildnis handelt es sich um die so genannte "Players Club Daguerreotype". Man muss wissen, dass mehrere Daguerreotypien mit Edgar Allan Poes Bildnis bekannt wurden, außerdem exestieren einige zeitgenössische bzw. etwas später gemachte Kopien. Edwin H. Manchester, Samuel W. Hartshorn und William Pratt sind namentlich als Daguerreotypisten bekannt, zu anderen Stücken kennt man die Urheber nicht.
Bei der hier gezeigten Daguerreotypie handelt es sich um die Kopie der "Thompson"-Daguerreotypie. Diese wurde 1849, also im Todesjahr Poes, von William Pratt in Richmond (Virginia) aufgenommen. Die "Thompson"-Daguerreotypie ist benannt nach ihrem späteren Besitzer John R. Thompson, der Poe noch gekannt und das von Pratt erhaltene Bildnis bis zu seinem Tod 1873 im Besitz hatte.
Bevor aber Pratt das Bildnis Poes an Thompson weggab, kam es Weihnachten 1854 zu einer interessanten Begegnung. Der Journalist Thomas Dimmock aus St. Louis kam am Photoatelier Pratts vorbei und sah die Poe-Daguerreotypie in dessen Auslage liegen. Er wollte sie Pratt abkaufen, der sich jedoch nicht zu einer Veräußerung durchringen konnte. Aber er versprach dem interessierten Journalisten eine Kopie anzufertigen und tatsächlich konnte sich Dimmock wenige Tage später die Kopie-Daguerreotypie (die seitenverkehrt ausfiel) abholen. Er behielt das Stück bis 1895 und schenkte es dann dem Players Club in New York City. Von diesem neuen Besitzer erhielt die Daguerreotypie ihren bis heute beibehaltenen Namen.
Leider wurde sie bei einem Reinigungsversuch leicht beschädigt.

 


oben: Unbekannter Daguerreotypist: Selbstporträt und Bildnis eines Jungen

darunter: Unbekannter Daguerreotypist: Mann mit Zylinderhut, Auktionshaus Bassenge, Berlin

darunter: Victor Plumier: Dame im Kostüm, Auktionshaus Lempertz

darunter: Unbekannter Daguerreotypist: Porträt eines Mannes in nachdenklicher Pose, be-hold Auktion Larry Gottheim, Yonkers, USA

links: William Pratt: Porträt Edgar Allan Poe (Kopie-Daguerreotypie), Sotheby`s New York


   
   
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