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NEUERSCHEINUNGEN

Bodo von Dewitz (Hrsg.):
"Tatsachen. Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts"

ISBN 3-86521-295-6
328 Seiten, 358 Abbildungen durchgehend in Farbe
Paperback, 24 x 28 cm
Verlag Steidl
EUR 40.00

Mit Ankauf des Agfa Foto-Historamas, das bereits seit 20 Jahren im Neubau vom Wallraf Richartz Museum / Museum Ludwig leihweise seinen Platz fand, konnte die älteste und wohl auch bedeutendste Sammlung zur Kunst- und Kulturgeschichte der Photographie, die je in Deutschland zusammengetragen worden ist, für Köln gesichert werden. Die Sammlung erhielt 2005 Aufnahme in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes. Dem Ereignis angemessen ist der gewichtige, zweisprachige (deutsch/englisch) Ausstellungskatalog "Tatsachen" ausgefallen, der schlaglichtartig verschiedene Themenkomplexe der Sammlung aufblitzen lässt. In gediegener drucktechnischer Ausstattung,
einem gelungenen Layout und schließlich mit einer überzeugenden Themen- und Bildauswahl liegt ein Band vor, der zwar im Detail nicht mit photographiegeschichtlichen Neuigkeiten aufwartet (was auch nicht das Ziel gewesen sein dürfte), wohl aber einen äußerst kurzweilig verfassten Einblick in das Gesamtgefüge der von Erich Stenger 1906 begründeten Sammlung gestattet. Die Reproduktionen und die drucktechnische Qualität sind bestens dazu angetan, auch ästhetische Qualitäten historischer Photographie wahrzunehmen. Freunde der Daguerreotypie finden einige Spitzenstücke der Sammlung brillant reproduziert, darunter die berühmte "Momentaufnahme" von der Einweihung des Denkmals Friedrich des Großen am 31. Mai 1851 in Berlin - eine 24 x 24 cm große Platte des Berliner Daguerreotypisten Wilhelm Halfter. Obwohl Daguerreotypien naturgemäß nur einen Bruchteil des Buchinhaltes ausmachen, kann der Band gerade wegen seiner Bandbreite jedem photohistorisch interessierten Leser wärmstens empfohlen werden. Als besonders verdienstvoll muss man die eingangs gebotene Geschichte des Agfa Foto-Historamas und die Einführung in das Lebenswerk des legendären Photohistorikers und Sammlers Erich Stenger sehen, die in solch detaillierter Form noch nicht publiziert wurde. Stenger war einer der wenigen Sammler in Deutschland, die sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Daguerreotypie als Forschungs- und Sammlungsgegenstand zugewandt hatten; 1907 erwarb er sein erstes Stück.
Die zu Ende gegangene Ausstellung "Tatsachen. Fotografien des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Sammlung Agfa im Museum Ludwig Köln" (20.5.-13.8.2006) wirkt nun über ihren Katalog weiter fort.


Wolfgang Baier:
"Welch herrliches Helldunkel. Die Frühzeit der Photographie in Mecklenburg"

ISBN 3-935749-64-3
156 Seiten, 185 zumeist mehrfarbige Abbildungen
gebunden, 22,5 x 24 cm
Thomas Helms Verlag Schwerin
EUR 24,90

Wenn Photohistoriker ehrfurchtsvoll vom "Baier" sprechen, dann meinen sie Wolfgang Baiers "Quellendarstellungen zur Geschichte der Fotografie", ein Standardwerk, das diese Bezeichnung wirklich verdient. 1961 zum ersten Mal erschienen, erlebte das Buch eine Vielzahl von Auflagen in beiden deutschen Staaten. Glücklichen Umständen und dem Engagement mehrerer Personen ist es zu danken, dass nun - viele Jahre nach Baiers Tod - ein "neues" Buch aus seiner Feder erschien.
Wolfgang Baier (1889-1968) hatte das von seinem Sohn Volkmar Baier bis heute bewahrte Manuskript um 1962 abgeschlossen, doch kam es nie zu einer Veröffentlichung. Jetzt haben Gabriele Hahn, Volker Janke und Sandra Schwede im Auftrag der Landeshauptstadt Schwerin und des Mecklenburgischen Volkskundemuseums Schwerin-Mueß das Manuskript redaktionell (behutsam) bearbeitet und mit zahlreichen bisher unveröffentlichten Aufnahmen illustriert als Begleitband für eine gleichnamige Ausstellung herausgegeben, die in den nächsten Monaten durch Mecklenburg-Vorpommern tourt.
Baier hebt einleitend hervor, dass die Darstellung der Photographieentwicklung in einer agrarisch geprägten Region zu den Desideraten zählt. Er hätte es mit Freude gesehen, dass inzwischen auch auf diesem Gebiet einiges geschenen ist und für viele ähnliche Territorien vergleichbare Arbeiten vorliegen. Um so wichtiger, dass nun auch Baiers früher Beitrag endlich eine Publizierung erfuhr. (An dieser Stelle sei auf ein jüngstes Beispiel verwiesen - die Dissertation Sandra Schwedes "Das sanfte Licht des norddeutschen Himmels ist der Lichtmalerei besonders günstig ...". Untersuchungen zur Frühzeit der Photographie im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin zwischen 1839 und 1880. Universität Greifswald, 2005.)
Schwerin war kulturelles Zentrum des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, als Handelsstädte fungierten Rostock und Wismar. Damit sind zugleich die drei Orte benannt, an denen sich die Daguerreotypie zuerst etablieren konnte. Der in Schwerin tätige Theatermaler Friedrich Schnelle (1797–1848) gehörte zu den ersten sechs Empfängern einer daguerreschen Kamera in Deutschland. Schnelle teilte sich die hohen Anschaffungskosten mit dem Schweriner Bildhauer Heinrich Peters (1806-1884). Leider ist von den ersten Daguerreotypien der beiden Pioniere nichts erhalten. Sie hatten im Oktober 1839 u.a. das Schweriner Schloss und den Dom aufgenommen. Erhielten blieb eine zeitgenössische ausführliche Schilderung des Geschehens, die erstmals zum Abdruck gebracht wird.
Eine von Daguerre selbst aufgenommene Daguerreotypie wurde im November 1839 in einer Güstrower Buchhandlung gezeigt, zu deren Besichtigung man 4 Schilling Gebühr verlangte.
Baiers Arbeit konzentriert sich auf den Zeitraum zwischen der Erfindung der Photographie und dem Aufkommen der photographischen Visitenkarte, beleuchtet also zunächst die Daguerreotypie, dann aber auch die frühe Papierphotographie. Die Auswertung zahlloser Tages- und Wochenzeitungen erbrachte wichtige Daten zu Aufenthaltsorten und Wanderwegen der Photographiepioniere. Erstaunlich bleibt, wie wenige Daguerreotypien aus Mecklenburg die Zeit überdauert haben; zumindest bringt das Buch nur wenige Stücke zur Abbildung. Vielleicht trägt die Publikation in Zukunft zum Auffinden weiterer Stücke bei.
In einer dem Manuskripttext angehängten Kurzbiographie wird Leben und Wirken Wolfgang Baiers gewürdigt.
Ein umfangreiches Verzeichnis früher Photographen in Mecklenburg (270 Namen!) und ein ausführliches Personenregister erschließen den handlichen Band.

 

Abbildung ganz oben: Dr. Erich Stenger, 1906 (aus dem Buch "Tatsachen")

Abbildung links: Dr. Wolfgang Baier, 1927 (aus dem Buch "Welch herrliches Helldunkel")

AUSSTELLUNG
Frühzeit der Fotografie in Mecklenburg-Strelitz vom 21.5. - 1.10.2006
 
Als Teil eines gemeinsamen Ausstellungsprojektes mit dem Mecklenburgischen Volkskundemuseum Schwerin-Mueß präsentiert das Regionalmuseum Neubrandenburg aus eigenen Beständen und mit zahlreichen Leihgaben in der VIERRADEMÜHLE (3. Etage) seltene Exponate aus der Frühzeit der Fotografie in Mecklenburg-Strelitz. Höhepunkt der Ausstellung ist ein "Erinnerungsalbum" von Fritz Reuter mit Porträts von mehr als 100 Personen aus seinem Freundeskreis, welches die Neubrandenburger dem Dichter kurz vor seiner Übersiedlung nach Eisenach 1863 zum Geschenk machten.
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E-Mail: Museum@Neubrandenburg.de
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