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AUSSTELLUNG IN WIEN

"Pioniere der Daguerreotypie in Österreich"

22.9.2006 - 19.11.2006
in der Albertina zu Wien


Wer derzeit die Säulenhalle der ehrwürdigen Albertina in Wien – eine der bedeutendsten graphischen Sammlungen der Welt – betritt, kann eintauchen in die Faszination frühester Photographie - in diesem Fall der "Daguerreotypie". Ausstellungen über jene Inkunabeln der Photographiegeschichte sind in Europa rar, wohl aber im Aufwind begriffen.
Der Grund ist nicht nur in einer noch wenig ausgeprägten Forschung zum Thema zu sehen, sondern auch in der schwierigen Darbietung der spiegelnden Aufnahmen. So hat der österreichische Architekt Walter Kirpiscenko eine besondere Präsentation für Wien entwickelt, bei der die Daguerreotypien unter spiegelfreiem Glas in beleuchteten Spezialvitrinen gezeigt werden.
Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, formulierte seine Beweggründe für eine solche Exposition: "Für mich bietet diese Ausstellung einmal mehr die Möglichkeit, ein bisher völlig vernachlässigtes Terrain der Photographie aufzuarbeiten. Eine Ausstellung wie diese über die Pioniere der Daguerreotypie in Österreich ist für alle Quotenjäger vielleicht unverständlich: sie passt aber präzise in unseren selbstgestellten Auftrag, Bahnbrecher der Kunstgeschichte und wesentliche Kunst- und Kulturtechniken in monografischen Ausstellungen aufzubereiten."
Die Albertina besitzt mit ihren 450 Daguerreotypien einen wahren Schatz, von dem eine Vielzahl - ergänzt durch wichtige Aufnahmen aus Museen und Privatsammlungen des In- und Auslandes - jetzt in Wien zu sehen ist. Insgesamt zeigen die beiden Kuratoren Dr. Monika Faber und Dr. Maren Grönig (Kuratorin der Photosammlung der Albertina) etwa 80 bedeutende Stücke, unter ihnen
die älteste photographische Ansicht Wiens (eine Daguerreotypie vom Hofburgtheater, aufgenommen 1840 von dem Physiker Andreas von Ettingshausen) und die inzwischen zur Berühmtheit gelangte Mikroaufnahme, die von Ettingshausen vom Querschnitt eines Clematisstängels herstellte. Im Jahr 2004 war der Erwerb dieses Filetstücks bei Christie`s in London durch die Spende eines großherzigen Mäzens gelungen. Die 16 x 21 cm messende Daguerreotypie (eine ganze Platte !) zeigt den Pflanzenquerschnitt in 14-facher Vergrößerung. Von Ettingshausen versah die auf den 4. März 1840 datierte Aufnahme zusätzlich mit einer Versuchserklärung.
Atemberaubende Glanzstücke der Ausstellung sind aber auch Ansichten vom Chemielabor des Wiener Polytechnikums, die Ansicht einer explodierten (!) Lokomotive sowie ein Porträt des für die Entwicklung der Photographie so wichtigen Peter Wilhelm Friedrich Voigtländer um 1842. Voigtländer war Konstrukteur und Hersteller
der ersten Metallkamera der Welt, die mit einem lichtstarken Objektiv des Wiener Mathematikprofessors Maximilian Petzval ausgestattet war. Vogtländer und Petzval nehmen eine bedeutende Stellung in der internationalen Photogeschichte ein, aber auch von Ettinghausen, der im Herbst 1839 in Paris das neue Verfahren direkt an der Quelle studieren konnte.
Petzval und von Ettingshausen waren Mitglieder der so genannten "Fürstenhofrunde", in der sich namhafte österreichische Wissenschaftler zu Fragen der gerade aufgekommenen Photographie äußerten. Aus dieser "Fürstenhofrunde" (benannt nach einem Zinshaus im Vorstadtbezirk Landstraße, in dem ein weiteres Mitglied der Runde - der Naturforscher Karl Schuh - wohnte, der mit einer durch von Ettingshausen aus Paris mitgebrachten Daguerreotypie-Kamera arbeitete) ging später die "Freie Vereinigung von Freunden der Daguerreotypie" hervor und aus dieser 1861 die "Photographische Gesellschaft" Österreichs.
Im Wiener Polytechnikum, einem Vorläufer der Technischen Universität, blieben die frühesten in Wien gefertigten Daguerreotypien erhalten. Später nutzte man sie als Lehrobjekte in der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, von wo sie schließlich an die Albertina übergeben wurden. Jetzt bilden sie den Kern der hochkarätigen Ausstellung, die zudem mit einem Katalog aufwarten kann:

Inkunabeln einer neuen Zeit. Pioniere der Daguerreotypie in Österreich 1839-1850. Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich, Band 4, herausgegeben von Monika Faber für die Fotosammlung der Albertina Wien.
160 Seiten, Broschur, EUR 19,90
Christian Brandstätter Verlag Wien
ISBN 3-902510-95-1

 

ganz oben: Beleibte Dame in einer Kutsche, Daguerreotypie eines unbekannten Photographen, um 1844, 6,5 x 8,7 cm, Albertina, Wien, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Wien.

darunter: Interieur im chemischen Institut des Polytechnikums in Wien, um 1843.
Daguerreotypie eines unbekannten Photographen, 8 x 10 cm, Albertina, Wien, Dauerleihgabe der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt, Wien.

darunter: Wiener Hofreitschule und altes Burgtheater, Daguerreotypie von Andreas von Ettinghausen, 1840
15,4 x 21,2 cm, Albertina, Wien.

links: Daguerreotypie von Andreas von Ettingshausen: Mikroaufnahme des Durchschnitts durch den Stängel einer Clematis, 16 x 21 cm, Albertina, Wien.
Mail: Museum@Neubrandenburg.de


   
   
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