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AUKTION IM NOVEMBER 2005

Eine Anzahl beeindruckender Daguerreotypien war auch am Ende des Jahres 2005 im internationalen Auktionsgeschehen zu registrieren. Wir zeigen vier Beispiele, die uns bei Cowans Auctions Inc. in Cincinnati (Ohio, USA) in der Novemberauktion auffielen.





Diese Daguerreotypie mit dem Bildnis des Blechschmiedes F. Mott mit Werkzeugen und einem in Arbeit befindlichem Gefäss - aufgenommen 1854 in Fayetteville (USA) - erzielte 5500.00 US-Dollar und damit den höchsten Zuschlag unter den frühen Photographien. Es handelt sich um eine sechstel Platte im Etui.















Sehr unkonventionell wirkt das Motiv der sechstel Platte mit originaler Versiegelung und Etui, bei dem eine junge Frau auf dem Schoß eines bärtigen Mannes sitzt und von diesem sehnsuchtsvoll angeblickt wird. Für die um 1850 in den USA entstandene Platte wurden 1840.00 US-Dollar erzielt.










Das daguerresche Bildnis eines schwarzen Paares (Vater und Tochter?) mit Kind, wahrscheinlich eine Sklaven-Familie, ist als extrem rar zu bezeichnen. Der Zuschlag erfolgte bei 3750.00 US-Dollar. Die sechstel Platte im Querformat verfügt noch über ihre originale Versiegelung.












Auch diese Berufsdarstellung - das Bildnis eines Schlossers mit Hammer und Türschloss - erzielte mit 3120 US-Dollar einen Preis, der die Beliebtheit solcher Daguerreotypien widerspiegelt. Die feine Durchzeichnung der Aufnahme und die messerscharfe Wiedergabe des gemusterten Hemdstoffes verraten den photographischen Könner, der jedoch wie so oft anonym bleibt. Die um 1848-55 in Nordamerika entstandene sechstel Platte sitzt in einem Etui.





PUBLIKATION ZU SOUTHWORTH UND HAWES

Die umfassende Ausstellung zum Schaffen der amerikanischen Photographiepioniere Southworth und Hawes, auf die wir bereits im vergangenen Jahr hinwiesen, geht nun in ihre letzte Runde. Vom 28. Januar bis zum 2. April 2006 wird sie in der Addison Gallery of American Art in Andover (USA) zu sehen sein.
Dem photohistorisch Interessierten wird nach Abschluss des Projektes ein wunderbarer Katalog bleiben, der mit seinen 552 Seiten etliches Gewicht (3,4 kg), aber auch einen enormen Inhalt auf die Waage bringt. Das im Verlag STEIDL (Göttingen) verlegte englischsprachige Opus "Young America. The Daguerreotypes of Southworth & Hawes" präsentiert neben zahlreichen Beiträgen ein durchnummeriertes Werksverzeichnis mit 1997 (!) Positionen. Darin sind alle Daguerreotypien aus Museen, Archiven, Bibliotheken, Galerien und Privatbesitz erfasst, die bis zum Redaktionsschluss bekannt wurden und den strengen Zuschreibungskriterien entsprachen.
Das Werksverzeichnis wurde in mehrere inhaltliche Abschnitte gegliedert, um das Auffinden der einzelnen Daguerreotypien zu erleichtern:

- Selbstporträts / Familienporträts der Photographen
- Identifizierte Personen
- Nichtidentifizierte männliche Porträtierte
- Nichtidentifizierte weibliche Porträtierte
- Nichtidentifizierte Kinder
- Aufnahmen von Paaren und Gruppen (hier wird die strenge Systematik etwas aufgelockert, denn auch Einzelbildnisse sind aufgenommen, wenn die Personen auf Gruppenbildnissen zusätzlich auftauchen)
- Aufnahmen postmortem
- Stereo-Daguerreotypien
- Gebäude
- Landschaften
- Niagara-Fälle
- Ereignisse
- Reproduktion von Kunstwerken

Zukünftig wird man also beim Zitieren einer Southworth und Hawes - Daguerreotypie die entsprechende Verzeichnisnummer angeben.
Für jede Platte sind neben dem Bildinhalt auch die Datierung, die Größe, die Provenienz, der jetzige Besitzer und - soweit dies möglich war - die Plattenmarke vermerkt. Hingewiesen wird ebenso auf Kolorierungen. Darüber hinaus ist jede Daguerreotypie kleinformatig abgebildet (schwarz-weiß), viele Platten aber auch zusätzlich im Originalformat und in Farbe. Bei zahlreichen Daguerreotypien ist die Vita des Stücks mit bibliographischen Angaben und Hinweisen zu bereits erfolgten Ausstellungen komplettiert.

Das von Grant B. Romer und Brian Wallis herausgegebene Buch - eine Gemeinschaftsproduktion des International Center of Photography in New York, dem George Eastman House in Rochester und dem Verlag Steidl - vereint mehrere Aufsätze, die das Schaffen der Photograpiepioniere aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Alan Trachtenbergs Essay befasst sich mit der Stellung der Daguerreotypie in Amerika, Grant B. Romer zeichnet die Karriere der beiden Daguerreotypisten im Kontext der frühen Photographie in New York, Boston, Philadelphia und anderen Städten nach. John Stauffer untersucht die generelle Bedeutung der Porträtkunst des Studios Southworth und Hawes für Amerika. Das inzwischen verstorbene Ehepaar Bates und Isabel Lowry - zwei bedeutende Forscher auf dem Gebiet der frühen amerikanischen Photographie - erinnert in seinem Beitrag an die Aufnahmen S&Hs von den frühen Anwendungen der Ether-Narkose. Wendy Wick Reaves und Sally Pierce untersuchen unter dem Eindruck des vorrangigen Porträtschaffens der Daguerreotypisten die Praxis der Umsetzung in druckfähige Vorlagen, d.h. Stiche und Lithographien. In einem Beitrag von Michel Robinson - einem Spezialisten für die technische Seite der Daguerreotypie und selbst Daguerreotypist - wird die Herstellung von Daguerreotypien unter besonderer Berücksichtigung der Praktiken von Southworth und Hawes beschrieben. Sheila J. Foster beleuchtet unter Auswertung von Geschäftspapieren, Briefen, Kundenverzeichnissen und anderen Dokumenten die geschäftliche Seite des Studios. Matthew R. Isenburg schließlich stellt bislang kaum bekannte persönliche Daten aus den Familien der beiden Lichtkünstler vor und verfolgt die Wege der Kinder und Enkel beider Photographen. Im Bild vorgestellt werden 55 bisher unveröffentlichte Porträtaufnahmen aus verschiedenen Alben der Familien Southworth und Hawes, die sich im Besitz von Isenburg befinden - ein einzigartiger Schatz für die Photographie-Geschichtsschreibung.
Ken Appollo erinnert an die Einrichtung des Bostener Studios und die dort vorhandene Sammlung von Daguerreotypien und Photographien, die bis zum Tode von Joshia Hawes dort vereint waren.
Mit einer Betrachtung der David Feigenbaum-Kollektion von S&H-Daguerreotypien durch Denise Bethel schließt der Aufsatzteil ab. Es handelt sich um den Wiederabdruck des Beitrages, der den Auktionskatalog "The David Feigenbaum Collection of Southwort & Hawes and Other 19th-Century Photographs" von Sotheby´s 1999 eingeleitet hat.

Allen Interessenten historischer Photographie kann dieser großartige Band nur wärmstens empfohlen werden!

ISBN 3-86521-066-X
EUR 100.00
552 Seiten, 2000 schwarz-weiße, 150 farbige Fotos
30,5 x 25,4 cm


  DAGUERREOTYPIEN DES STUDIOS
SOUTHWORT UND HAWES

mittig: "Young America. The Daguerreotypes of Southworth & Hawes", Cover des neuen Buches mit Porträtdaguerreotypie von Reverend Rollin Heber Neale. S&H-Verzeichnis Nr. 256. George Eastman House Rochester.

darunter: Bildnis einer Unbekannten, S&H-Verzeichnis Nr. 882. Privatbesitz.

darunter: Eine besondere Kostbarkeit stellt das ca. 1840 aufgenommene Bildnis von Albert Sands Southworth dar - eine Ikone der amerikanischen Photographie. Es handelt sich um eine Platte im neuntel Format. S&H-Verzeichnis Nr. 1. Privatbesitz.

darunter: Bildnis einer unbekannten Frau, um 1850, S&H-Verzeichnis Nr. 1116. Wm. B. Becker Collection/American Museum of Photography.

links: Das hinreißende Porträt eines kleinen Mädchens entstand um 1850. Sechstel Platte im originalen Etui. S&H-Verzeichnis Nr. 1546. Privatbesitz.

   
   
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