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VOM HANDEL MIT SILBERBILDERN

Daguerreotypien in sammlerwürdiger Qualität werden im deutschen Sprachraum kaum bei Antiquitätenhändlern, selten in Auktionshäusern angeboten, ja es fehlt überhaupt eine Sammelkultur im Bereich Daguerreotypie, wie sie z.B. in den USA seit vielen Jahren schon ausgeprägt ist. Dort gibt es zahlreiche größere Auktionshäuser, die – sehr häufig auch online – mit hochkarätigem Material handeln. Aber auch kleinere amerikanische Händler haben sich im Bereich Daguerreotypie spezialisiert und bieten hervorragende Stücke an. Es lässt sich sogar feststellen, dass kleinere Händler oft die besseren Anbieter sind, denn sie beschreiben ihre Stücke meist in einer Ausführlichkeit, wie man es bei den ganz großen Häusern vermisst. Seriöse Photohändler weisen immer auf den Zustand der Stücke hin, wobei man sich nicht in allgemeinen Floskeln ergeht. Jedes Stäubchen und jeder Feck auf der Silberschicht werden benannt, die Originalität der Versiegelung geprüft bzw. die Güte der konservatorischen Maßnahmen kritisch beurteilt. Da Daguerreotypien komplexe Objekte sind, spielen Zustandsphotos von Vorder- UND Rückseite sowie des Etuis oder Rahmens eine große Rolle. Auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn hervorragende Aufnahmen von den spiegelnden Bildern herzustellen, erfordert ein großes Können. Aber nur so lässt sich über die Distanz Qualität erkennen. Daguerreotypien mit Kratzern werden von Sammlern nur dann toleriert, wenn das Sujet außergewöhnlich bis einzigartig ist. Bei Flecken ist der Liebhaber toleranter, weil diese oft Ergebnis eines weniger gut vom Daguerreotypisten beherrschten chemischen Prozesses sind und damit ein Stück Photogeschichte spiegeln. Nicht gemeint sind selbstverständlich die Flecken, die durch unsachgemäße Restaurierungsversuche in jüngerer Zeit entstanden. Eine Daguerreotypie anzubieten, ohne auf deren Versieglung zu verweisen, käme einem seriösen amerikanischen Photohändler wohl kaum in den Sinn. Die ganzheitliche Betrachtungsweise von Daguerreotypien sollte viel häufiger auch in Europa praktiziert werden.


PHOTOGRAPIE-AUKTION BEI LEMPERTZ IN KÖLN

2./4. Dezember 2010

In der jüngsten Aution von Lempertz in Köln kommt eine Stereodaguerreotypie des Studios von Wiliam Edward Kilburn (1818-1891) aus London zum Ausruf, zu der noch ein originaler Betrachtungsapparat (mit Kilburns Atelierangaben) gehört. Komplette Ensembles dieser Art sind sehr selten, vor allem, wenn sie sich in einem so guten Zustand befinden.
Auch die Daguerreotypie aus einem der Richard-Beard-Studios, die in der Auktion angeboten wird, zählt zu den Raritäten, denn derartig große Platten wurden nur sehr selten von Beards Operatoren gefertigt. Gruppenaufnahmen oder Männer zu Roß füllten derartig große Querformate, die nur aller paar Jahre im Handel auftauchen. Das 20 cm breite Etui wird von Lempertz leider nicht abgebildet und über den tatsächlichen Zustand der Platte kann man sich nur ein Bild direkt vor Ort machen.

  oben: Stereodaguerreotypie von William Edward Kilburn, nach 1852, Auktion Lempertz Lot Nr. 701. (Jeweils 6,2 x 4,7 cm sichtbarer Ausschnitt, Etuimaße 10,7 x 12,8 x 2,3 cm).

mittig: Detail der links abgebildeten großen Platte aus einem der Beard-Studios in England, 2. Hälfte 1840er Jahre, Auktion Lempertz, Lot Nr. 700. (
10 x 13,5 cm sichtbarer Ausschnitt, Etuimaße 16,3 x 20,6 x 1,7 cm).


   
   
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