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IN EIGENER SACHE

Sechs Jahre ist es her, dass wir mit unserer "daguerreotype-gallery" im März 2004 ins www gingen. Seit dieser Zeit wurden zahlreiche Beiträge verfasst und Daguerreotypien vorgestellt, Kontakte mit Museen, Fachleuten und Sammlern geknüpft, über 250 Daguerreotypien restauriert, zwei Bücher geschrieben und eine Ausstellung konzipiert.

Heute stellen wir eine Daguerreotypie vor, die an den vor über 160 Jahren ausbrechenden "GOLD RUSH" in Kalifornien erinnert .


GOLDFIEBER IN KALIFORNIEN

Der 1848 erst wenige Jahre "alten" Daguerreotypie ist es zu verdanken, dass die Geschichte des "kalifornischen Goldrausches" auch ein Gesicht bekommen hat. Nachdem am 24. Februar 1848 James W. Marshall auf der Ranch "Neu-Helvetien" seines Arbeitgebers, des Schweizers Johann August Sutter, im Fluss einige Goldnuggets entdeckt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, dass Abenteurer aus allen Teilen der USA und der ganzen Welt – auch Europas – nach Kalifornien strömten. Sutter hatte in weiser Voraussicht (allerdings vergeblich) versucht, seine Männer zum Stillschweigen zu bewegen.
Wie eine Woge brachen ab 1849 hunderttausende Abenteuerhungrige über das Land herein, die als "forty niner" in die Geschichte Nordamerikas eingingen. Sutter, eigentlich ein schwer reicher Mann (er war der Begründer von San Francisco), verlor seine riesigen Ländereien und wurde umgebracht.
Im Treck der goldhungrigen Menschen gelangten auch Hassardeure, Falschspieler, Geschäftemacher und Mörder in das einst von Weißen fast freie Land. In nur zwei Jahren stieg die Einwohnerzahl San Franciscos von ca. 1.000 Einwohnern auf 25.000.

Die eigentlichen Herren des Landes, die Indianer, wurden vertrieben, durch Krankheiten dezimiert, umgebracht oder versklavt.
Der Goldrausch hielt bis etwa 1854 an. Dann übernahmen Firmen im großen Stil die Ausbeutung goldhaltiger Adern in den Bergen, während vorher ausschließlich Goldkörnchen in den Flüssen mit Hilfe von Waschpfannen gewonnen wurden. Trotz harter Arbeit am und im eiskalten Wasser gelangten die wenigsten Goldsucher zu Reichtum, zumal ihnen die Funde von skrupellosen Geschäftsleuten oder Banditen schnell wieder abgenommen wurden.
Für eine Daguerresche Aufnahme ließ man sich nicht lumpen und so gehörten frühe Photographen, die die Strapazen der Reise ins Goldland auf sich genommen hatten, zu den Gewinnern des Goldrausches. Die Bildnisse von Goldgräbern, oft mit einem Nugget um den Hals, gelten unter Sammlern heute als besonders begehrte Porträtdaguerreotypien in den USA. In der Regel wurden die Daguerreotypien aus dem Wunderland Kalifornien in die Heimat geschickt, auch bis nach Europa. Sie sollten von Reichtum und Erfolg künden, doch blieben sie oft die einzigen Spuren der schwer schuftenden Glücksritter, die den Strapazen der Arbeit oder den Überfällen von Gangstern erlagen.
GRUSS IN DIE HEIMAT

Auf so einem Weg muss auch die hier vorgestellte Daguerreotypie nach Deutschland gelangt sein, die wir die Freude hatten zu erwerben. Im spiegelnden Glanz der Platte sind klar und deutlich vier Männer zu erkennen, die mit dem Zerkleinern und Aufbereiten von Gesteinsmaterial beschäftigt sind, in dem man Gold vermutet hat. Möglicherweise sind es Deutsche, die 1849 ihr Glück im fernen Amerika suchten und den daheim Gebliebenen ein Lebenszeichen sanden, denn die Daguerreotypie war lange in deutschem Familienbesitz.
Zahlreiche Daguerreotypien aus der Zeit des Goldrausches wurden bislang veröffentlicht, doch ist diese kleine Platte bis jetzt unentdeckt gewesen. Sie befindet sich in sehr gutem Zustand und besitzt noch ihr originales Etui.
   

   
   
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