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FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY
(1809-1847)
UND SOPHY HORSLEY

Die Internationale Mendelssohn-Stiftung Leipzig besitzt zwei bemerkenswerte Daguerreotypien mit den Bildnissen von Mendelssohn und seiner damals in Kensington/London lebenden Verehrerin Sophie Horsley. Es handelt sich nicht um originäre photographische Porträts, sondern um Reproduktionen von Kunstwerken mit Hilfe des Daguerreschen Verfahrens. Im Falle der Sophy Horsley diente eine weiß gehöhte Zeichnung als Vorlage, im Falle Mendelssohns ein Ölbild. Die Daguerreotypie mit Sophys Bildnis war durch Schmutz- und Kristallablagerungen unter dem Deckglas sehr stark in seiner Wirkung beeinträchtigt. Aus diesem Grund wurde uns das Stück zum Zwecke der Schadensbehebung übergeben. Nach der behutsamen Öffnung der alten und beschädigten Dichtung konnte die Scheibe abgenommen und näher untersucht werden. Der zunächst befürchtete Glaszerfall bestätigte sich nicht, so dass nach der Reinigung des originalen Deckglases dieses wieder verwendet werden konnte. Obwohl das originale Dichtungspapier stark zerfallen war, hatten schwefelhaltige Luftbestandteile kaum eindringen können - diesen Umstand verdankt man dem sehr straffen Sitz der Daguerreschen Platte im Etui.

Die Daguerreotypie mit dem Horsley-Bildnis entstand im Atelier des bedeutenden Londoner Daguerreotypisten William Edward Kilburn, dessen Label sich auf dem bordeauxroten Etui eingeprägt befindet. "BY APPOINTMENT. MR. KILBURN 234 REGENT STREET" lautet die Inschrift. Die Regent Street im Zentrum Londons gehörte zu den feinsten Adressen der jungen Photographiebranche. Kilburn hatte hier sein Atelier 1846 eröffnet, nachdem er bei Richard Beard eine Lizenz erworben hatte.

Felix Mendelssohn weilte insgesamt sieben Mal in England. "Im April 1829 reiste er erstmals nach London und wurde enthusiastisch aufgenommen. Seinen ersten Auftritt vor englischem Publikum hatte er bei einem der Konzerte der Philharmonic Society, bei dem er am 25. Mai seine Sinfonie c-Moll vom Klavier aus dirigierte. Am 30. spielte er auswendig Webers Konzertstück, am 25. Juni Beethovens Klavierkonzert Es-Dur (das vorher noch nicht in England erklungen war) und erstmals die Sommernachtstraum-Ouvertüre. Bei der Rückkehr nach Hause vom Konzert wurde die Partitur der Ouvertüre in einer Droschke liegen gelassen, woraufhin Mendelssohn sie aus der Erinnerung ohne Fehler noch einmal zu Papier brachte. Bei einem weiteren Konzert spielte er mit Moscheles sein noch unveröffentlichtes Konzert in E-Dur für zwei Klaviere und Orchester. Am 23. April 1832 war er wieder in London, wo er bei den Philharmonic Concerts zweimal sein Konzert g-Moll gab, an der Orgel in St. Paul spielte und den ersten Band seiner Lieder ohne Worte veröffentlichte. Im Frühjahr 1833 stattete er London einen dritten Besuch ab, um seine Italienische Sinfonie zu leiten, die erstmals am 13. Mai von der Philharmonic Society gespielt wurde. Nach seiner Hochzeit 1837 ging er erneut nach England, wo er am 20. September den Paulus beim Birmingham Festival dirigierte. Während dieser Reise spielte er in St. Pauls und Christ Church die Orgel und übte damit einen nachhaltigen Einfluss auf die englischen Organisten aus. 1842 ging er schließlich ein siebentes Mal nach England, zusammen mit seiner Frau, und dirigierte seine Schottische Sinfonie." (Auszüge aus Wikipedia) Bei dieser Englandreise wurde Mendelssohn von Königin Victoria empfangen. Mendelssohn hatte viele Freunde in England, unter ihnen Fanny und Sophy Horsley. Rosamund Brunel publizierte die Briefe der beiden Frauen an Felix Mendelssohn in: "Mendelssohn and his friends in kensington. Letters from Fanny and Sophy Horsley. 1833-36".
Das Daguerresche Porträt Mendelssohns wird in einem originalen Lederetui verwahrt, welches mit violettem Samt ausgeschlagen ist. Vermutlich wurde die Daguerreotypie posthum gefertigt und war als Andenken gedacht. Es gibt sie mindestens ein zweites Mal, nämlich im Robert-Schumann-Haus Zwickau. Das dortige Exemplar besitzt ein ganz ähnliches Etui, dürfte also beim gleichen Daguerreotypisten entstanden sein.

Mendelssohn-Bartholdy hat sich auch als Wiederentdecker des Komponisten Johann Sebastian Bach einen Namen gemacht. Am 11. März 1829 brachte er mit der Berliner Singakademie die fast völlig vergessene "Matthäuspassion" von Bach zur Wiederaufführung und wurde damit zum Wegbereiter einer Bach-Renaissance. 1843 wurde das von Mendelssohn initiierte Bach-Denkmal in Leipzig (siehe Daguerreotypie rechts) feierlich enthüllt.

  ganz oben: Die Daguerreotypie mit dem Bildnis Sophie Horsleys im Zustand vor der Restaurierung. Mendelssohn-Haus Leipzig.

darunter: Die Daguerreotypie nach ihrer Bearbeitung. Das Bildnis steckt in einem typisch englischen Etui, das mit dem Label des Londoner Daguerreotypisten Kilburn gezeichnet ist.

mittig: Das Leipziger Bachdenkmal verdankt seine Entstehung massgeblich den Bemühungen Felix Mendelssohn-Bartholdys. Daguerreotypie eines unbekannten Daguerreotypisten,
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Fotothek.

links: Daguerresche Reproduktion des von Eduard Magnus gemalten Porträts des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Mendelssohn-Haus Leipzig.

   
   
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