ZUM NEWS-ARCHIV
HOME

BEDEUTENDE DAGUERREOTYPIEN
AUF AUKTIONEN im 2. HALBJAHR 2005

Liebe Freunde der Daguerreotypie,
heute stellen wir Ihnen wieder bemerkenswerte Stücke vor, die uns bei Auktionen der letzten Monate auffielen. Selbstverständlich handelt es sich um eine rein subjektive Auswahl, an der wir Sie aber gern teilhaben lassen wollen.

Das Auktionshaus Reiss & Sohn in Königstein i. T., bekannt vor allem durch niveauvolle Buch- und Graphikauktionen, brachte in seiner 103. Auktion am 27. Oktober zahlreiche Dokumente aus dem Nachlass des berühmten Afrikaforschers Heinrich Barth zur Versteigerung. Unter den Hinterlassenschaften Barths befand sich auch diese Daguerreotypie, die ihn etwa 1848/49 zeigt - also zwischen seiner 1847 zu Ende gegangenen ersten Expedition und der 1850 beginnenden "großen" Expedition durch Sahara und Sudan, die bis 1855 andauern sollte. Die 1/6-Platte stellt wohl das einzige fotografische Zeugnis Barths aus dieser Zeit dar und damit auch das älteste Porträt jenes Mannes, dessen Abenteuerroman "Ich war in Timbuktu" Generationen von Jugendlichen begeisterte.
Für 2200.00 EUR plus Aufgeld ging die von dem Pariser Daguerreotypisten Victor Ninet gefertigte Aufnahme an einen neuen Besitzer.



Im Auktionshaus van Ham in Köln wurde eine charismatische viertel Platte (Mutter mit Kind) des in Kassel tätig gewesenen Malers und Daguerreotypisten Prof. Johann Friedrich Wilhelm Roux (1806–1880) in der Photoauktion am 28. Oktober angeboten, die für 525.00 EUR plus Aufgeld verkauft werden konnte. Roux stammte eigentlich aus Thüringen, wo sein Vater als herzoglicher Fechtmeister in Meiningen bestallt war. Roux hat seine Anschrift auf der Rückseite der Platte hinterlassen, "hinter dem alten Todtenhof Nr. 39" lautet seine Atelieradresse in Kassel.



Vergleichsweise preiswert war die Daguerreotypie einer Familie mit vier Kindern, eine halbe (!) Platte des Daguerreotypisten E. Monson aus Ipswich (England), die für 600 Dollar bei Bryan and Page Ginns in Valatie (NY, USA) auf der Auktion Nr. 15 im September verkauft wurde.



Bei Larry Gottheim in Yonkers (NY, USA) erzielte dieses stimmungsvolle Porträt einer alten Dame 600 US-Dollar plus Aufgeld in der 45. Auktion. Die beim Stricken "überraschte" Frau wirkt außerordentlich natürlich. Das schöne Motiv hat die Größe einer sechstel Platte und steckt in einem originalen Etui.

  Ganz oben: Heinrich Barth (1821-1865) ließ sich bei einem Paris-Aufenthalt daguerreotypieren. Aufnahme um 1848/49.

Darunter: Ein schönes Paar vor einem staffierten Hintergrund mit großer Ziervase. Entgegen der Beschreibung im Auktionskatalog besteht das Passepartout nicht aus "vergoldetem Stoff", sondern aus hauchdünnem, vergoldetem Messingblech, in das eine stoffähnliche Struktur eingeprägt ist. Diese Passepartouts waren um 1850 sehr beliebt und wurden sogar in Amerika, etwa von Brady, verwendet.

Darunter: Sechs Personen, unter ihnen vier Kinder, auf eine Daguerreotypie zu bannen, war eine sehr komplizierte Aufgabe für jeden Daguerreotypisten.

Links: Bildnis einer strickenden Frau, USA um 1848/50.

   
   
NACH OBEN
  3535