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RESTAURIERUNG
der ältesten Photographien in Freiberg
für das Stadt- und Bergbaumuseum

2005 wurde ein Projekt abgeschlossen, das sich mit der Konservierung, Restaurierung und photohistorischen Untersuchung der ältesten photographischen Darstellungen beschäftigte, die sich in der sächsischen Stadt Freiberg erhalten haben.
Es handelt sich um ein kleines Konvolut von neun Daguerreotypien, in dem sieben Stück zweifelsfrei zusammengehören. Dieser Zusammenhang stellte sich jedoch erst als Ergebnis umfangreicher Untersuchungen heraus. Die sieben Daguerreotypien sind ohne Passepartouts überliefert. Vor vielen Jahren wurden die bis dato offenbar lose aufbewahrten Platten immerhin mit schützenden Gläsern abgedeckt und mit Papierstreifen verklebt. Allerdings waren die Platten bereits angelaufen und stark zerkratzt.
Da die Glasscheiben ohne Passepartout direkt auf den empfindlichen Platten auflagen, die Papierstreifen nicht mehr fest hafteten und die Motive selbst weitgehend unkenntlich geworden waren, wurde sich zu einer Bearbeitung des Bestandes entschlossen.

Nachdem die Motive - drei Männerporträts und vier Frauenbildnisse - wieder deutlich sichtbar geworden waren, legte ein Vergleich der Aufnahmen den Verdacht nahe, dass alle sieben Porträts von ein und dem selben Daguerreotypisten stammen.
Dafür sprechen verschiedene Fakten: So wiederholt sich der Vorhang im Hintergrund und auch Tischdecken kehren wieder. Vier Daguerreotypien sind im sehr seltenen 1/8-Format ausgeführt, zwei Daguerreotypien (Mann und Frau) wurden gleichartig abgerundet beschnitten, um sie in kleine Metallrähmchen fassen zu können. Aus verschiedenen Kreuz- und Querverweisen erhärtete sich schliesslich der Verdacht. Wer aber könnte der Daguerreotypist gewesen sein?

In unserer Sammlung befinden sich zwei Daguerreotypien, die man aufgrund des verwendeten Vorhanges und des 1/8-Formats ohne Zweifel der Freiberger Gruppe anschließen kann. Unsere Daguerreotypien sind vollständig erhalten; eines der beiden Bilder ist datiert und kann wegen der abgebildeten Person auch nach Freiberg verwiesen werden. Beide Daguerreotypien tragen ihr originales Etikett, so dass wir nun auch den Urheber der Freiberger Bildergruppe zu kennen glauben: es ist der aus Großschweidnitz bei Löbau (Sachsen) stammende Daguerreotypist Albert Friedrich Francke, der ursprünglich als Uhrmacher gearbeitet hat. Francke war ein wandernder Daguerreotypist, der noch Ende der 1840er Jahre sein Brot im Umherziehen verdienen musste. Am 6. November 1847 kam der damals Einundvierzigjährige nach Freiberg, wo es ihm offenbar gut gefiel, denn er blieb bis zum 2. Mai 1848 in der Bergstadt als "Lichtkünstler" tätig. Zahlreiche Anzeigen in der Freiberger Presse kündten von seinem Wirken. In "Max Böhmes Caffeegarten", einem beliebten Ausflugslokal, hatte Francke sein Atelier aufgeschlagen.
Er kehrte später nicht wieder nach Freiberg zurück, weshalb sich die Entstehung der sieben Daguerreotypien zeitlich recht gut eingrenzen lässt, nämlich vom Spätherbst 1847 bis zum Frühjahr 1848.

Interessant wäre zu wissen, in welchem Zusammenhang die dargestellten Personen stehen. Da es sich ausschließlich um junge Leute handelt, könnten es befreundete Paare gewesen sein. Dafür müssten eigentlich acht Daguerreotypien zusammen gehören. Tatsächlich ist auch noch eine achte überliefert, jedoch nur in Form eines zerschnittenen Reststückes, auf dem sich leider kein Motiv mehr nachweisen lässt.
Einer der Dargestellten trägt eine Bergjacke mit gekreuztem Hammer/Schlegel-Symbol. Dies könnte die älteste photographische Darstellung eines im Bergbau Beschäftigten sein, die sich in Sachsen - vielleicht in Deutschland überhaupt - erhalten hat.

Alle Daguerreotypien auf dieser Seite wurden in unserem Labor restauratorisch bearbeitet.

  ganz oben: Für die Gruppe der sieben Daguerreotypien war dieses Erscheinungsbild typisch - starke Sulfidbildung, Glasscheibe ohne Passepartout, Papierstreifen zum Abdichten.

darunter: Die gleiche Platte nach der Sulfidreduzierung. Im Hintergrund ein getupfter, sehr unscharf abgebildeter Vorhang, der sich auf den beiden folgenden Beispielen (mit der gleichen Unschärfe) wiederholt. Er ist offenbar typisch für die Aufnahmen Franckes.

darunter: Ein Bergstudent, welcher dem erzgebirgischen Corps Montania Freiberg angehörte. Durch Vergrößern und Spiegeln wurde die Inschrift des Bandes lesbar.

links: Bildnis einer jungen Frau.

   
   
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