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A GERMAN LADY
BERTHA WEHNERT-BECKMANN
Leben & Werk einer Fotografiepionierin

DER ERBAUER DES RÖMISCHEN HAUSES

Atelier Eduard und Bertha Wehnert

Die Familie des Leipziger Verlegers Hermann Härtel (1803-1875)
Daguerreotypie, viertel Platte
Leipzig um 1847
Deutsches Museum, München,
ehemals Sammlung von Hase, Leipzig

aus dem Buch "A GERMAN LADY. Bertha Wehnert-Beckmann. Leben & Werk einer Fotografiepionierin"
von Jochen Voigt

Hermann Härtel "war am 27. April 1803 geboren, genoß eine sorgfältige Erziehung im Vaterhause, studierte die Rechte in Leipzig und Göttingen, wandte sich aber, nachdem er die juristische Doctorwürde erworben, vielmehr Kunstinteressen zu, die er durch einen längeren Aufenthalt in Italien in den Jahren 1829 und 1830, dem später noch mehrere Reisen dahin folgten, zu befriedigen suchte und dürfte seiner Neigung nach den Studien in dieser Richtung fernerhin seine Haupttätigkeit gewidmet haben, wenn nicht das durch den Tod seines Vaters verwaiste Geschäft den Anspruch an ihn durchgesetzt hätte, die Führung desselben in Gemeinschaft mit seinem Bruder zu übernehmen. Unter dieser gemeinschaftlichen Führung ist es zu der Blüthe und dem hohen Rufe gelangt, dessen es sich heute erfreut und hat durch musikalische, literarische und industrielle Leistungen in großem Stil den Ruf Leipzigs selbst im Auslande ehrenvoll vertreten.

Durch den Bau des sogenannten römischen Hauses, den er nach der Rückkehr von seinem ersten Aufenthalt in Italien unternahm und zu dessen Ausschmückung mit Fresken er die vielversprechendsten jungen Künstler zuzog, gab er den ersten Anstoß zu einer schöneren Bauweise in Leipzig; jeder achtbare Künstler fand bei ihm gastfreie Aufnahme; nach Maßgabe seiner Mittel unterstützte er solche selbst durch Bestellungen; als Mitglied zweier Kunstdirectionen trug er wesentlich bei, den Geschmack an klassischer Kunst in Musik und Bildnerei aufrecht zu halten und an sein feines ästhetisches Urteil appellierte man gern als an ein maßgebendes. Aber nicht bloß mit bedeutenden Künstlern, auch mit Gelehrten und jedem, der als Mensch bedeutend war, freute er sich Beziehungen anzuknüpfen und gab in seinem Hause überhaupt ein Beispiel edler Geselligkeit, dessen Untergang die, denen vergönnt war, daran teilzunehmen, schmerzlich empfinden werden.

Um den Grundzug seines Wesens mit einem Worte zu bezeichnen, so war es eine Noblesse von Charakter, Geist und Gemüt, die alles Gemeine von ihm fernhielt und alles Edle und Schöne schätzen ließ. Darin lag von selbst eine unerschütterliche Rechtschaffenheit und innere Wahrheit eingeschlossen. In politischen Ansichten war er gemäßigt liberal; im Privatleben Aristokrat im besten Sinne; verlangte von Untergebenen strenge Pflichterfüllung, gewährte ihnen aber dafür mehr als wozu er verpflichtet war. Er war schroff gegen alles Gemeine und dabei doch innerlich bescheiden."

Nachruf für Hermann Härtel aus: Leipziger Tageblatt vom 10. August 1875


Ein frühes fotografisches Bildnis der großen Verlegerpersönlichkeit Hermann Härtel war bislang nicht bekannt, so dass die Indentifizierung der Wehnert-Beckmannschen Daguerreotypie einen großen Zugewinn bedeutet – zumal das Bildnis die ganze Familie zeigt. Der Verlag Breitkopf und Härtel gilt heute als der älteste Musikverlag der Welt. Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Franz Liszt, Richard Wagner und Johannes Brahms wurden von Härtel verlegt.

Hermann Härtel hatte in Leipzig den siebenköpfigen Freundeskreis "Eranion" begründet, dem u.a. der Philosoph Christian Hermann Weiße, der Mediziner Alfred Wilhelm Volkmann, sein Bruder Raymund Härtel und der Mediziner und Physiker Gustav Theodor Fechner (siehe Februar-Daguerreotypie 2014) zählten.

Bild 1 und 2
Die Familie des Verlegers Hermann Härtel, Daguerreotypie unter originalem Passepartout

Bild 3
Hermann Härtel, im Computer seitenrichtig gedreht.

Bild 4
Bildnis Hermann Härtel, Stahlstich im Verlag von Otto August Schulz in Leipzig. Stich und Druck von August Weger, Leipzig

Bild 5
Das Römische Haus in Leipzig, um 1850

Bild 6
Die Ehefrau Hermann Härtels, im Computer seitenrichtig gedreht.

   





   
   
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