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EIN BUCHHÄNDLER VON FORMAT

Bertha Wehnert-Beckmann

Porträt des Leipziger Verlegers
Karl Franz Koehler (1805-1872)
Daguerreotypie, 1/4-Platte
Leipzig, 1850er Jahre
Deutsches Museum, München

Abbildung aus dem Buch
"A German Lady" von Jochen Voigt

"Im Jahre 1830 (der Gründer der Handlung starb drei Jahre später, am 29. 12. 1833) übernahm der älteste Sohn, Franz Koehler (geboren 23. 3. 1805, gestorben 2. 12. 1872) die väterliche Buchhandlung und zwar nach der am 1. April 1830 aufgenommenen Inventur für die Summe von 5300 Thalern den gangbaren Verlag, wozu noch der als Makulatur gerechnete ältere Verlag mit 699 Thalern und das Sortiment mit insgesamt 499 Thalern kam. Franz Koehler hatte, nachdem er die Herrnhuter Erziehungsanstalt in Ebersdorf und einige Klassen des Leipziger Nikolaigymnasiums absolviert hatte, den Buchhandel bei Horvath in Postdam und Heyer in Gießen erlernt, und war in seinen Wanderjahren in Wien, Berlin, Aarau, Freiburg und München gewesen. Unter Franz Koehler begann die schnelle Entwicklung des jetzt so umfangreichen Kommissionsgeschäftes, welches heute einschließlich von Hunderten von nicht im Buchhändler-Adreßbuch aufgeführten nichtdeutschen buchhändlerischen Verbindungen nahezu 1000 Kommittenten zählt; doch blieb er auch dem Verlage treu, den er im besonderen in Philosophie, Jurisprudenz und Medizin ausbaute. Während das erste Verlagsverzeichnis der Koehlerschen Firmen, vom Jahre 1828 auf 24 Seiten 240 allerdings meist kleine, unbedeutende Artikel aufzählt, von denen nur 16 durch einen * als Kommissionsartikel bezeichnet sind, sind es deren nach dem Verlagskatalog vom Jahre 1845 schon 171, und zwar zum Teil sehr stattliche, geworden. Einen Teil des Verlages von Fr. Laue in Berlin hatte Koehler bereits früher übernommen.
1839 verlegte die Firma ihre Geschäftsräume nach der Nikolaistraße, wo sie bis 1846 verblieben. Dann zog Koehler in das für 11000 Thaler erworbene eigene Haus in der Poststraße, wo die Handlung bis 1881 verblieb. In das Jahr 1847 fällt die Gründung von K. F. Koehlers Antiquarium, dessen erste Erwerbungen auf großen Reisen des Leipziger Universitätsantiquars Armbruster gemacht wurden und einen Betrag von 2000 Thalern absorbierten. Der erste Antiquariatskatalog der neuen Firma erschien 1850, bis Ende 1872 hatte sie deren bereits 237 mit 315000 Titeln veröffentlicht. Seit dem Jahre 1849 hatte Adolf Ulm (geboren 1824 in Weilburg a. d. Lahn, gestorben 22. 4. 1884) die Leitung des sich immer mehr ausdehnenden Geschäftszweiges übernommen. Ulm war es, der das deutsche »wissenschaftliche Antiquariat« zu jener Höhe erhob, die es noch heute unbestreitbar an erster Stelle in der wissenschaftlichen Welt einnimmt. 1873 ging K. F. Koehlers Antiquarium an Hugo Koehler über, der Ulm als Teilhaber aufnahm. 1883 finden wir K. W. Hiersemann als Prokuristen und seit 1. Juli 1894 befindet sich das Geschäft im Besitz von Bernhard Liebisch." (Zitat nach Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 3. Berlin/Eberswalde 1905, S. 568 ff.)
Von Karl Franz Köhler war bislang kein fotografisches Bildnis bekannt. Identifiziert wurde das Gesicht auf der Daguerreotypie durch einen Stahlstich des Leipzigers Stechers August Weger, der Ende 1872 oder Anfang 1873 anlässlich des Todes von Karl Franz Koehler erschien. Er dürfte auf dem Stahlstich schon ein wenig älter sein, vielleicht nach einer Papierfotografie gearbeitet, doch ist die Physiognomie unverkennbar dieselbe.

Bild 1: Daguerreotypie von Bertha Wehnert-Beckmann, 1850er Jahre
Bild 2: Katalog antiquarischer Bücher aus der Buchhandlung K. F. Köhler, Leipzig 1857

   





   
   
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