ZUM MONATS-ARCHIV
HOME

A GERMAN LADY
BERTHA WEHNERT-BECKMANN
Leben & Werk einer Fotografiepionierin


KUNSTMÄZEN & EISENBAHNPIONIER

Bertha Wehnert-Beckmann

Porträt des Leipziger Kaufmanns Carl Lampe
(1804-1889)
monochrom überabeiteter Salzpapierabzug von einer Kollodiumplatte
Leipzig 1850er Jahre
Privatbesitz

aus dem Buch "A GERMAN LADY. Bertha Wehnert-Beckmann. Leben & Werk einer Fotografiepionierin"
von Jochen Voigt


Leider gelang es bis zur Drucklegung des Buches "A German Lady" nicht, für eine Reihe von Personen die Identität zu ermitteln. Im Jahr 2015 wollen wir einige inzwischen neu gewonnene Erkenntnisse auf unserer Seite veröffentlichen.

Inzwischen steht zweifelsfrei fest, um wen es sich bei diesem charismatischen Porträt handelt (A German Lady S. 352): es ist der Leipziger Kaufmann Carl Lampe, der Bertha Wehnert-Beckmann Modell saß. Lampe war nicht "irgendein" Kaufmann, sondern ein für das Leipziger Gemeinleben hochbedeutender Mann. Gemeinsam mit dem namhaften Leipziger Verleger Hermann Härtel, der ebenfalls von Wehnert-Beckmann porträtiert wurde, hatte Lampe 1836 den Leipziger Kunstverein gegründet und später dem Museum der bildenden Künste seine über 1600 Blatt umfassende Grafiksammlung geschenkt.
"Carl Lampe war der Sohn von Johann Caspar Lampe, dem Hauptteilhaber der Drogenhandlung Brückner, Lampe & Co., die aus einer seit 1750 bestehenden Drogerie mit Geschäftsbeziehungen bis nach Russland und Amerika hervorgegangen war. Lampe baute das väterliche Unternehmen als Großhandelsgeschäft aus und ergänzte es durch eine Fabrik für ätherische Öle und chemische Produkte. Mit regelmäßig herausgegebenen Handelsberichten verschaffte er der Fachwelt eine Übersicht über den Arzneimittelmarkt und förderte so auch die gesamte pharmazeutische Branche. Außerdem stiftete er der Universität Leipzig eine pharmakognostische Sammlung. (...)
Carl Lampe war von 1834 bis 1838 Stadtrat und Stadtverordneter. Als Stadtrat setze er sich für die Ideen Friedrich Lists zum Bau einer Eisenbahnstrecke nach Dresden ein. 1835 war er Mitbegründer der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie und Mitglied des ersten Direktoriums der Gesellschaft.
1832 gehörte er zu den Mitbegründern des Gustav-Adolf-Werks. Über 50 Jahre lang wirkte er als ehrenamtlicher Schatzmeister des Zentralvorstands des Vereins. Im selben Jahr wurde er in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen aufgenommen. (...)
Im Jahr 1845 gehörte Lampe zu den Gründern des Allgemeinen Turnvereins zu Leipzig. Er ließ auf seinem Grundstück einen Turnplatz für den Verein einrichten." (WIKIPEDIA)

Wehnert-Beckmanns Salzpapierfoto, dass dicht und subtil von ihrem Mitarbeiter Cornelius Grünewald überarbeitet wurde, porträtiert den Kaufmann im Alter von etwa 50 bis 55 Jahren.

Unsere Vergleichsabbildungen zeigen ein lebensgroßes Ölbildnis auf Leinwand des Malers Bernhard Plockhorst (1825-1907), das 1876 gemalt wurde. Es gehört heute dem Museum der bildenden Künste Leipzig. Plockhorst lebte und wirkte nicht in Leipzig, wurde jedoch häufiger von dort mit Aufträgen bedacht. Schon in den 1850er Jahren hatte der eigentlich auf christliche Themen spezialisierte Maler z.B. das Leipziger Verlegerehepaar Tauchnitz und die Ehefrau des bekannten Verlegers Otto Spamer gemalt.

Außerdem verweisen wir auf ein lithografiertes Bildnis des Lithografen Georg Ludwig Engelbach (1817-1897), das Lampe in den 1840er Jahren zeigen dürfte. Interessant ist der Umstand, dass Engelbach wie Lampe ein begeisterter Verfechter der Turnerbewegung war.

Nicht zuletzt hat auch die Fotografin Bertha Wehnert-Beckmann den großen Gönner der Stadt Leipzig Carl Lampe noch einmal in hohem Alter porträtiert, sitzend an einem Schreibtisch. Das Foto im Kabinettkartenformat trägt einen Prägestempel ihres Ateliers. Ein Kollodiumglasnegativ dieser Fotosession hat sich im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig erhalten.

Zum Lampe-Porträt zugehörig ist eine zweite Salzpapierfotografie Wehnert-Beckmanns, die mit großer Wahrscheinlichkeit seine Ehefrau Victorie Wilhelmine geb. Vogel zeigt. Sie war die Tochter des Leipziger Buchhändlers, Verlegers und Buchdruckers Christian Wilhelm Vogel (1776-1842) und dessen Frau Friederike Katharina geb. Sonntag (1781-1849).

   





   
   
NACH OBEN
  3535