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EINE PHILADELPHIA-LEGENDE

Samuel Broadbent (1810-1880)

Porträt Sarah M. Livezey
Daguerreotypie, 1/2-Platte
Lederbezogene Holzschatulle mit geprägter Ornamentik, innen links mit dunkelrotem, ornamentiertem Samtkissen.
Passepartout aus Metall, mit Preserver.
Philadelphia (USA), aufgenommen am 26. Februar 1854
Sammlung May und Jochen Voigt

Samuel Broadbent wurde 1810 als Sohn von Abigail Harris Griswold und Dr. Samuel Broadbent – einem Physiker und Porträtmaler – in Wethersfield (Connecticut) geboren. Er lernte bei seinem Vater die Porträtmalerei. Als dieser starb, Samuel war gerade 18 Jahre alt, musste er sich fortan seinen Lebensunterhalt selbst verdienen, was er bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr mit dem Malen von Bildnissen sicherstellte. Bereits sehr früh entwickelte er Interesse für das Medium Daguerreotypie und studierte 1840 die technischen Voraussetzungen dafür bei Samuel F. B. Morse in New York City, der ebenfalls Porträtmaler war. Bekanntlich hatte Morse in Paris das Daguerreotypieren erlernt und gab nun sein Wissen an interessierte Amerikaner weiter.
In New York lernte Broadbent auch den Künstler Thomas Sully kennen, einen damals bekannten Landschaftsmaler, dessen Bilder er bei Atelierbesuchen sah und die ihn sehr beeindruckten. Wie Morse war Sully von den Landschaften des französischen Barockmalers Claude Lorraine (1600-1682) beeinflusst, was sich in ihren eigenen Bildern durchaus niederschlug. Broadbent nahm Anleihen bei Motiven und im Malstil von Sully, und es entstanden in der ersten Hälfte der 1840er Jahre Hintergründe für sein Daguerreotypie-Atelier, die dem hier vorzustellenden sehr ähnlich waren.
Broadbent unterhielt 1841-42 ein erstes Studio auf der Nassau Street 136 in New York. Von 1843-50 war Broadbent in verschiedenen Städten im Süden der USA tätig, so in Savannah (Georgia), Macon und Athens (Georgia), in Charleston und Columbia (South Carolina), in Hartford (Connecticut), in Wilmington (Delaware) und in Baltimore (Maryland). Sesshaftigkeit legte er erst ab 1851 an den Tag, als er sich in Philadelphia niederließ, wo er 1880 starb. Im Haus Chestnut Street 136 begann seine Philadelphia-Karriere. In diesem Atelier entstand unser Damenportät.
Die Aufnahme ist zwar nicht mit dem Atelierstempel versehen, doch verrät der gemalte Hintergrund seine Herkunft. Er suggeriert die Nähe eines Ufers, rechts sind Buschwerk und die belaubten Äste eines Baumes zu sehen.

Literatur
Rebecca Norris: Samuel Broadbent, Daguerreian Artist, in: The Daguerreian Annual 2001, Pittsburg 2002, S. 134 ff.

   









Auf dieser Daguerreotypie ist der "Broadbent-Stuhl" zu sehen, der neben dem unverwechselbaren Hintergrund eine sichere Zuweisung an den großen Meister erlaubt.

   
   
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