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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Carl Eduard Finck (1814-1848)

Porträt eines alten Mannes /
Porträt einer alten Frau
2 Stück 1/4-Platten unter Papierpassepartout mit umlaufender Papierborte
Leipzig, um 1845
Privatbesitz


Carl Eduard Finck darf für sich in Anspruch nehmen, einer der frühen Daguerreotypisten in Leipzig gewesen zu sein. Gern wies er darauf hin, die Technik der Daguerreotypie in Paris erlernt zu haben. Sollte dies 1839 geschehen sein, so hat er vielleicht eine der vielen Vorführungen Daguerres besucht. Vielleicht war er mit dem nur drei Jahre älteren Eduard Wehnert in der Seinestadt, denn auch dieser verwies mehrmals auf seine Ausbildung in Paris. Im Frühling 1842 taucht Wehnert in Leipzig auf, von Finck lesen wir indessen noch nichts.

Aber im Juni 1843 wird er durch eine Zeitungsannonce erstmals greifbar, in der er bekannt gibt, für einige Zeit das Atelier Eduard Wehnerts zu nutzen, so lange sich dieser auf einer "Kunstreise" befindet. Man darf wahrscheinlich von einer Freundschaft zwischen den beiden ausgehen, woraus sich die zeitweilige Nutzung des Ateliers in Lehmanns Garten erklärt. Finck hatte noch kein eigenes Atelier, hütete während Wehnerts Abwesenheit das Anwesen und nutzte die Räumlichkeit gleich für sich selbst.

Nachdem Wehnert im September 1843 zurück gekehrt war, verließ Finck das Atelier und zog mit seiner "Daguerreotypischen Anstalt" zum "Treibhaus im Lehmannschen Garten". Später, am Silvestertag 1844 gab er erneut einen Umzug bekannt, denn er verlegte sein Atelier auf die Leipziger Königstraße Nr. 11, wo er bis zu seinem frühen Tod leben und arbeiten sollte.

Eduard Wehnert starb bereits 1847 mit 36 Jahren und man vermutet schon lange, dass giftige Photochemikalien wie Quecksilber die Ursache waren. Ist es nicht merkwürdig, dass auch Carl Eduard Finck, Weggefährte und ebenfalls Daguerreotypist, ein Jahr nach Wehnert stirbt, gerade mal 34 Jahre alt? Welche Tragödien müssen sich in den beiden jungen Familien abgespielt haben?

Schwierig wird die zeitliche Einordnung der beiden charaktervollen Daguerreotypie-Porträts aus dem Hause Finck, denn ein Adressaufkleber fehlt. Interessant ist jedoch das Auftauchen eines Fruchtkörbchens, welches man auch auf einer Daguerreotypie Bertha Wehnert-Beckmanns findet. Bertha war die Ehefrau Wehnerts und darf als erste Daguerreotypistin der Welt gelten.

Die erwähnte Aufnahme, eine halbe Platte im Besitz des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig (Fotothek), trägt ein Metallpassepartout, und man geht davon aus, dass das Mädchenporträt NACH Berthas Amerikaaufenthalt 1849-51 entstand, weil die Mode der Metallpassepartouts offenbar von dort übernommen wurde.
Wie aber kommt nun das Obstkörbchen von Fincks Daguerreotypie auf eine spätere Daguerreotypie Bertha Wehnert-Beckmanns?

Handelt es sich überhaupt um das gleiche Körbchen? Könnte es sein, dass BEIDE Ateliers ein solches Körbchen verwendeten? Wahrscheinlich nicht, denn das Körbchen taucht auf KEINER WEITEREN Daguerreotypie im Wehert/Wehnert-Beckmannschen Oeuvre auf, aus dem immerhin über 90 Daguerreotypien bekannt sind!

1848 starb Carl Eduard Finck, doch führte die Ehefrau das Atelier eine Zeit lang fort. Bis 1852 taucht "Carl Eduard Fincks Witwe" als Daguerreotypistin auf, dann brechen die Eintragungen in den Adressbüchern ab. Allerdings existiert im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig eine Daguerreotypie von Fincks Witwe, die handschriftlich mit der Datierung "1854" versehen wurde. Wir sehen an solchen "Unstimmigkeiten", wie das wahre Leben oft etwas anders verläuft, als es uns Adressbücher oder ähnliche Nachschlagewerke suggerieren. Ein Unsicherheitsfaktor schwingt immer mit. Wahrscheinlich ging es geschäftlich bergab, weshalb sich Witwe Finck gar nicht mehr im Adressbuch vermerken ließ. Ab 1856 gibt es wieder ein Atelier "Carl Finck" in Leipzigs Adressbuch, jetzt jedoch mit dem Zusatz "Besitzer Herr W. J. P. Möller". Fincks Witwe hat wahrscheinlich das Atelier verkauft, was man durch ein Studium der Leipziger Gewerbeakten noch verifizieren müsste.

Geht man von einer Freundschaft zwischen Wehnert und Fink aus, dann dürften sich auch die beiden Ehefrauen gut gekannt haben. Vielleicht - doch das ist eine (reizvolle) Spekulation - haben wir mit dem Wehnert-Beckmannschen Porträt ein Bildnis der jungen Witwe Finck vor uns, die das Requisit aus besseren Tagen mit in das Beckmannsche Atelier brachte?

Leider ist nicht bekannt, wen die beiden wunderbaren Altersporträts darstellen.
   


   
   
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