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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Carl Rettberg (1808-1883)

August H. Negenborn und seine Großeltern
1/6-Platte unter Passepartout
Gesamtgröße: 110 x 129 mm
Norddeutschland, (handschriftlich) datiert 1845
Privatbesitz

Auch wenn das rückseitige Atelieretikett dieser Daguerreotypie beschädigt wurde, so bestehen doch kaum Zweifel, dass wir es mit einem Zeugnis des Schaffens von CARL ERNST Rettberg zu tun haben, einem der frühen Photographen in Mecklenburg.
Rettbergs Hinterlassenschaft auf dem Gebiet der Daguerreotypie ist sehr überschaubar, denn bislang waren wohl nur zwei Silberbilder bekannt: Dietrich Schneider-Henn rief im Jahr 2004 eine Außenaufnahme des Lichtbildners zur Versteigerung aus, "An der Landwehr in Lübeck", die aus dem Jahr 1846 stammte.
Ein zweites Belegstück befindet sich im Mecklenburgischen Volkskundemuseum Schwerin-Mueß: die daguerresche Reproduktion eines Pastellbildnisses (Bildnis des Friedrich Wilhelm Stampe, Bürgermeister zu Lübz, um 1850, abgebildet in: Wolfgang Baier: Welch herrliches Helldunkel! Die Frühzeit der Photographie in Mecklenburg, Schwerin 2006, S. 78).
Hier nun das dritte Silberbild des Photographen, dass dem jetzigen Besitzer auf einem Flohmarkt (auch das soll es noch geben!) über den Weg lief. Rettberg, der auch Bildnismaler und später Gemälderestaurator war, gelang mit großem Gespür ein charismatisches Gruppenbildnis. Dank rückseitiger Inschrift kennen wir die Identität des Jungen und seiner Begleiter: Es ist der "fünfjährige August H. Negenborn zwischen seinen lieben Großeltern" August Negenborn (im Alter von 44 Jahren) und Marie Luice Johanne Negenborn, aufgenommen im Jahr 1845.
Rettberg hat zu Beginn des Jahres 1847 zum ersten Mal in Schwerin inseriert, wo er als ortsansässiger Photograph bis zu seinem Tode leben sollte. In seiner Offerte spricht er von "mehrjährigen" Studien auf dem Gebiet der Daguerreotypie, so dass er vielleicht schon vor 1845 in diesem Metier gearbeitet hat. Ob dies tatsächlich zutrifft und wo diese Studien stattgefunden haben, bleibt zunächst unbekannt. Als Erfolg dieses Fundes darf es gesehen werden, dass sich das früheste Datum für Rettbergs daguerresche Arbeiten (welches durch die oben angeführte Aufnahme aus Lübeck bisher mit 1846 angenommen wurde) nun weiter um mindestens ein Jahr rückwärts verschiebt.


   





   
   
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