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EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

John Plumbe Jr. (1809–1857)

Bildnis einer Frau vor gemaltem Hintergrund
1/6-Platte unter Metallpassepartout mit Sandstruktur
Lederbezogenes geprägtes Etui, Rückseite glatt, Deckel mit roter Seide ausgefüttert
USA, um 1843–1845
Literatur: Spielgelbilder. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie 1840-1860, Chemnitz 2007, S. 30
Sammlung May und Jochen Voigt

John Plumbe Jr., geboren in Wales, wanderte mit seinen Eltern um 1821 in Nordamerika ein. Sein Name ist eng verbunden mit dem „American Dream“, Pazifik und Atlantik via Eisenbahn zu verbinden. Seit 1838 war er im Auftrag der Regierung beschäftigt, Lösungen für dieses ehrgeizige Projekt zu erarbeiten. 1840 wandte sich seine Aufmerksamkeit der Daguerreotypie zu und er gründete innerhalb der nächsten vier Jahre zahlreiche Ateliers in ganz Amerika. Der als Erfinder des photographischen Franchising geltende Plumbe hat erstklassige Photographen engagiert, die später selbst Photographiegeschichte schrieben.
Sein erstes Studio, die „Plumbe National Daguerreian Gallery“, eröffnete 1841 in Boston. Es folgten in kurzen Abständen weitere Galerien in Philadelphia, Albany, Saratoga Springs, Baltimore und New York City. Plumbe daguerreotypierte auch selbst – seine Ansichten von Regierungsgebäuden in Washington gehören zu den Kronjuwelen der frühen amerikanischen Photographie. Die Presse nannte ihn den „amerikanischen Daguerre“, denn Plumbe dürfte der bekannteste Daguerreotypist Amerikas in den 1840er Jahren gewesen sein.
Um 1847 begann er, seine Studios zu verkaufen; dann ereilte ihn der finanzielle Bankrott. Er versuchte in den fünfziger Jahren noch einmal, den Traum von der transkontinentalen Eisenbahn zu verwirklichen, was ihm aber nicht gelingen sollte. In tiefer Depression schied er 1857 durch Selbstmord aus dem Leben. (1)
Das Etui stammt aus eigener Herstellung, denn es ist unter der Daguerreotypieplatte wie folgt bezeichnet: „Manufactured at the Plumbe National Daguerrian Depot, NEW-YORK“. Für die Daguerreotypie selbst erschließt sich eine Autorenschaft Plumbes durch den verwendeten Hintergrund. Die Firmierung im Etui allein wäre noch kein sicherer Beleg, denn diese Etuis wurden ja auch von anderen Daguerreotypisten verwendet. Floyd Rinhart hat jedoch in seinem Standardwerk zur amerikanischen Daguerreotypie eine autorisierte Aufnahme Plumbes publiziert, die das gleiche Atelierprospekt mit den markanten Bäumen verwendet. (2) Sie entstand ca. 1841 und befindet sich heute in der Rinhart Collection der Ohio State University in Columbus, USA.

(1) Robert Taft: John Plumbe, America’s First Nationally Known Photographer, mit Anmerkungen von Cliff Krainik, in: The Daguerreian Annual, Pittsburgh 1994, S. 48–57.
(2) Floyd Rinhart: 1981, S. 65.

   





   
   
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