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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Albert Sands Southworth (1811–1894)
und Josiah Johnson Hawes (1808–1901)

Porträt eines Mädchens
1/6-Platte unter Metallpassepartout
Lederbezogenes, glattes Etui
Deckel innen mit rotem Samt ausgefüttert
Boston, 1850er Jahre
Literatur: Romer, Grant; Wallis, Brian: Young America. The Daguerreotypes of Southworth & Hawes. New York, Rochester, Göttingen 2005, S. 430 und 431, Nr. 1546

Als ungekrönte Könige der amerikanischen Daguerreotypie gelten Southworth und Hawes, die sich 1843 zu einer Partnerschaft in Boston zusammenfanden. Southworth verdiente vor seiner Photographenkarriere den Lebensunterhalt als Lehrer und Drogist, Hawes als Tischler und Porträtmaler. Sie verbanden auf einzigartige Weise ihre Talente – ersterer vor allem als Geschäftsmann, zweiterer als Künstler. Daraus entwickelte sich ein erfolgreiches Photographenduo, dessen Aufnahmen amerikanischer Präsidenten, Politiker, Geschäftsleute und Künstler zum Bedeutendsten gehört, was die Geschichte der Daguerreotypie weltweit kennt. Im Bostoner Studio arbeiteten weitere Familienmitglieder – Asa Southworth, Alberts Bruder, und die Schwester Nancy Niles Southworth, die sich mit viel Gespür um die Kolorierung der Daguerreotypien bemühte. Das Besondere am weithin angesehenen Studio von Southworth und Hawes war die Tatsache, dass keine angestellten Operateure die Porträtaufnahmen durchführten, sondern die Meister selbst. So konnte die ganz eigene Porträtphilosophie ungeschmälert einfließen, ohne Gefahr zu laufen, durch Dritte verwässert zu werden.
Unser Beispiel ist die spiegelbildliche Kopie einer ganzen Platte, die sich im Museum of Fine Arts in Boston befindet. (1) Das dortige Porträt gelangte als Geschenk Edward Southworth Hawes zum Gedenken an seinen Vater Josiah Johnson Hawes in das Museum, es war seit seiner Entstehung ununterbrochen im Besitz der Familie gewesen. Wahrscheinlich empfand der Auftraggeber das reizvolle Kinderbildnis als besonders gelungen und ließ deshalb eine kleinere Kopie herstellen. Leider ist nicht bekannt, wer sich hinter dem charismatischen Kindergesicht verbirgt. (2)


(1) Sobieszek, Robert; Appel, Odette M.: The Daguerreotypes of Southwort & Hawes, New York 1976, S. 52, Abbildung 56, Inventarnummer 43.1487.
(2) Die hier vorgestellte Daguerreotypie ist im aktuellen S & H-Verzeichnis aufgenommen, siehe Romer, Wallis 2005, S. 430 und 431, Nr. 1545.

   





   
   
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