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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Unbekannter Daguerreotypist

Porträt eines Mannes im blauen Hemd
1/6-Platte (stark koloriert) unter Metallpassepartout
mit Bienenwabenmuster
Lederbezogenes Etui, außen mit Goldprägung
Deckel innen mit roter Seide ausgefüttert
USA, um 1845
Etuiabmessungen: 92 x 81 x 13 mm, originale Versiegelung
Literatur: Jochen Voigt: Spiegelbilder. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie, Chemnitz 2007, S. 42.
Sammlung May und Jochen Voigt

Von einigen Autoren wird den kolorierenden Daguerreotypisten unterstellt, sie hätten körperliche Mängel der Porträtierten mit Farbe verdecken wollen. Diese Art von Retusche kannte die Daguerreotypie aber kaum. Hunderte Daguerreotypien aus verschiedenen Ländern, die dem Verfasser im Laufe der Jahre durch die Hände gingen, bestätigen eine solche Retuschierpraxis in keiner Weise. Vielmehr sind gerade die Inkarnate – also Gesicht und Hände, die Träger von gewissen Mängeln sein können – so zurückhaltend und subtil ausgeführt, dass an die bei der späteren Papierphotographie beklagte Verfälschung durch Retusche gar nicht zu denken ist. Nur bei einigen Arbeiten englischer Daguerreotypisten konnte ansatzweise so etwas beobachtet werden. Intensiver, aber nie verdeckend, sind bisweilen Kleidungsstücke koloriert, wie bei diesem Beispiel aus den USA. Das Hemd des jungen Mannes färbte sich nicht durch eine Überbelichtung blau, sondern wurde vom Daguerreotypisten mit Farbstaub behandelt.
   

oben: Die frühe Platte besitzt keinen Preserver

darunter: Zarte Kolorierung im Gesicht des Mannes, die jedes Detail des Photos erkennen lässt.

links: Das Passepartout trägt ein seltenes und frühes Bienenwabenmuster.


   
   
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