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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Lemiare, Optiker in Paris; 32 Passage du Saumon

Jupiter und Ganymed, Skulpturengruppe
von Jean Jacques Pradier (1790–1852)
Paris, Anfang 1850er Jahre
Stereo-Daguerreotypie
Passepartout aus schwarz bemaltem Glas
Sammlung May und Jochen Voigt

Mit Erfindung der Photographie war man versucht, Kunstwerke zu reproduzieren und damit anderen zugänglich zu machen. Bevor die Welt mit Stereokarten (Papierphotographien) überschüttet wurde, begannen findige Verleger, Stereo-Daguerreotypien zu vertreiben. Diese blieben allerdings nur einem kleinen Kreis zugänglich. Die Eintrittskarte zu diesem "inner circle" war der gut gefüllte Geldbeutel, denn die Unikate hatten selbstverständlich ihren Preis.
Die Stereo-Daguerreotypie eignete sich hervorragend zur Wiedergabe von dreidimensionalen Kunstwerken wie Skulpturen. Waren es bis zur Erfindung der Photographie vor allem lithographierte Mappenwerke, mit denen Gemälde und Skulpturen nach ihrer Umzeichnung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, sind es in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die plastischen Bilder. Vor allem in Frankreich begannen Verleger mit dem Vertrieb solcher Stereoskopen im großen Stil. Einer von ihnen war M. S. Marchi, der unter anderem Abbildungen von den damals außerordentlich populären Skulpturen des französischen Bildhauers Jean Jacques Pradier herstellen ließ.
Diese Stereoskopen wurden mit einem kleinen Papieraufkleber (rechts) autorisiert. Es gibt verschiedene Etiketten, die in Text und Farbe etwas differieren.
Wahrscheinlich wurden alle Skulpturen Pradiers vom Pariser Optiker Lemiare aufgenommen. In verschiedenen Geschäften in Paris, etwa dem des Optikers Alexis Fay im Palais Royal, konnte man die Stereoskopen erwerben.
Der französische Bildhauer Pradier, 1790 in Genf geboren, vertrat die klassizistische Richtung, die in seiner besonderen, eben Pradierschen, Ausformung den Geschmack einer breiten Masse traf. Er wurde Professor an der Akademie der Künste zu Paris und durfte sich zahlreicher öffentlicher Aufträge erfreuen. Am bekanntesten sind wohl seine zwölf Siegesstatuen, die das Grab Napoleons im Invalidendom säumen.
Unsere Daguerreotypie zeigt die Entführung des schönen Hirtenknaben Ganymed durch Zeus, der in Gestalt eines Adlers erscheint. Die Kanne in der Hand des Knaben ist ein Verweis auf dessen zukünftige Aufgabe als Mundschenk: die Götter auf dem Olymp zu bewirten.

   
oben: Jupiter in Gestalt eines Adlers bedrängt Ganymed. Stereodaguerreotypie, linkes Bild.

darunter: Das originale Etikett mit handschriftlicher Unterschrift. Es ist unter dem Deckglas bfestigt, also nicht von aussen zugänglich.

links: Komplette Stereodaguerreotypie mit originaler Versiegelung.


   
   
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