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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Unbekannter Daguerreotypist

Zwei Gruppenaufnahmen Plauener Bürgerschullehrer
montiert unter einem Deckglas
Plauen um 1848
Daguerreotypien, zwei 1/4-Platten
Passepartout aus bedrucktem Papier, Goldborte aus geprägtem Papier
Vogtlandmuseum Plauen


Die beiden Daguerreotypien stellen für die Stadt- und Regionalgeschichte Plauens eine wichtige Quelle dar, denn die porträtierten Personen spielten mehr oder weniger wichtige Rollen im Leben der Vogtlandmetropole. Durch Inschriften auf der Rückseite lassen sich alle Herren identifizieren. Im Kontext früher Photographie ist vor allem der rechts vergrößert wiedergegebene Kantor und Bürgerschullehrer Johann Friedrich Fincke (1788–1868) von Interesse. Er war der erste, der im "Vogtländischen Anzeiger" bereits am 6. April 1839 über die Daguerreotypie informierte. Dabei zitierte er u.a. die visionären Ausführungen des französischen Kunstkritiker Jules Janin über das Wesen der Photographie.
Fincke meldete sich in einer Zeit zu Wort, in der über das wahre Wesen der Daguerreotypie noch nichts bekannt war. Erst am 19. August 1839 sollte bekanntlich in Paris das Geheimnis gelüftet werden. So waren alle Berichte über das Medium vor dem 19. August von Spekulationen begleitet. Vor diesem Hintergrund muss man es verstehen, dass Fincke auch auf die photographischen Versuche des Dr. Petzhold in Dresden aufmerksam machte, der seiner Meinung nach die gleiche Erfindung wie Daguerre getätigt hätte. Gemeint waren aber die Experimente Petzholds zur Photographie auf Papier, bei denen offensichtlich Positive entstanden. Dr. Petzhold hatte in der Märzausgabe 1839 des "Gewerbeblattes für Sachsen" auf seine Versuche und Ergebnisse hingewiesen. Dass Papierphotographie und Daguerreotypie zwei völlig verschiedene Seiten einer Medaille waren, erkannte man erst nach Veröffentlichung der Methode Daguerres.
Fincke war später in die revolutionären Ereignisse von 1849 involviert und wurde deshalb zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1851 erhielt der streitbare Kantor seine Begnadigung.

   
oben: Zweifachdaguerreotypie mit insgesamt 17 Personen.

mittig: Kantor und Bürgerschullehrer Fincke aus Plauen, der sich durch seinen hellen Mantel deutlich abhebt von den übrigen Herren des Lehrerkollegiums.

links: Daguerreotypie mit gemaltem Hintergrund. Zehn Personen waren nicht einfach zu dirigieren und Bildnisse dieser Art kosteten deshalb beträchtlich mehr als einfache Porträtaufnahmen.


   
   
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