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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Rechts: unbekannter Daguerreotypist
Geschwisterpaar
1/6-Platte im Lederetui
koloriert
USA, um 1848/50
Privatbesitz Leipzig

Diese Daguerreotypie zeichnet sich durch ihre wunderbar zarte Kolorierung aus, zu der die blauen Anlauffarben in harmonischem Kontrast stehen. Die außerordentliche Schärfe des Bildes vermittelt eine genaue Vorstellung von den Stofflichkeiten der Kleidung dieser Kinder. Ernst, fast etwas distanziert, schauen die beiden auf die Daguerresche Kamera, die sie festhielt und uns über eine zeitliche Spanne von fast 160 Jahren bewahrt hat.

Unten: unbekannter Daguerreotypist
Geschwisterpaar
1/6-Platte im Lederetui
USA, um 1858/50
Privatbesitz Leipzig

Von großer Innigkeit ist das Motiv der zweiten Daguerreotypie geprägt. Ängstlich umfasst der kleine Bruder die Schwester, die beruhigend seine Hand drückt.
Das Daguerreotypieren von Kindern stellte stets eine Herausforderung dar, da die langen Belichtungszeiten ein absolutes Stillhalten verlangten. Oft sind solche Aufnahmen mit Unschärfen behaftet - doch anders als bei Portäts von Erwachsenen künden verwischte Posen bei Kindern eher von deren Lebendigkeit und Verspieltheit, sind also auch von großer Liebenswürdigkeit. Die hier gezeigte Daguerreotypie ist allerdings kaum "verwackelt", beide Studiogäste sind scharf und brillant wiedergegeben.
Das von links einfallende Licht dringt wahrscheinlich durch ein Fenster und läßt das Kleid der kleinen Lady aufleuchten, und es zaubert auch einen Lichtfleck auf die Lehne des Stuhles. Lichtführung und Komposition führten zu einem außergewöhnlich schönem Bild.
   

Ganz oben: Kolorierte Daguerreotypie.
"Bilder, die colorirt werden sollen, müssen durchaus vergoldet sein, denn bloß abgewaschene werden durch den leisesten Pinselstrich verwischt. Man bedient sich eines mit arabischem Gummi versetzten Farbenstaubes, nimmt ein wenig in einen feinen Pinsel, und tupft ihn auf die betreffende Stelle; die Farbe sitzt leicht fest auf der Stelle. Man bläst nun schwach darauf, um die überflüssige zu entfernen, und haucht auf das Bild; der Gummi löst sich und die Farbe gewinnt mehr Festigkeit auf der Platte."
(Aus L. E. Uhlenhut: Praktische Anweisung zur Daguerreotypie, Quedlinburg und Leipzig 1849)

Mitte: Detail aus der kolorierten Daguerreotypie

Links: Daguerreotypie mit Geschwisterpaar

   
   
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