ZUM MONATS-ARCHIV
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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Wahrscheinlich Daguerreotypist ABRESCH:

Französisches, russisches und österreichisches Gesandtschaftshotel in Konstantinopel (Istanbul), ca. 1845
1/4-Platte
Passepartout aus bräunlichem Papier
Rückseitig von Hand beschriftet: „Franzoesisches, Russisches & Oestereich. Gesandschaftshotel Galathea & Seraskyr Thurru in Constantinopel. aus meinem Fenster gesehen in Jenny-Tschargie, Pera Constantinopel.“
Technische Sammlungen Dresden
Inventarnummer: D 73

Die auf der Rückseite aufgezählten Gebäude befanden sich im sogenannten Fremdenquartier von Konstantinopel, dem Ortsteil Pera. Dieser schmiegte sich direkt gegenüber dem Ortsteil Galata, dem Sitz großer Handelsfirmen, an ein hügeliges Gelände. In Galata war der Handelshafen, hier legten auch die Passagier-Dampfboote an. In Pera lagen die meisten westlichen Botschaftshotels. Die Daguerreotypie zeigt das Diplomatenviertel noch in seiner alten Baustruktur, die großteils dem verheerenden Brand vom 5. Juni 1870 zum Opfer fiel. Danach wurde Pera unter europäischem Einfluß modernisiert, wobei neue Gebäude und gepflasterte Straßen entstanden.

Vermutlich stammt die Platte von einem Daguerreotypisten Abresch, über den leider keine Daten verfügbar sind. Die Technischen Sammlungen Dresden besitzen drei Daguerreotypien von ihm, die auf der Silberplatte jeweils mit seinem Namen gestempelt sind. Es handelt sich nicht um einen Plattenhersteller, soviel steht fest. Ob die hier vorgestellte Platte auch gestempelt ist, konnte nicht eruiert werden, da das Passepartout keinen Einblick gestattet. Bei den von Abresch gestempelten Platten handelt es sich um ein Kinderdoppelporträt und zwei Außenansichten. Letztere wurden in Padua und ebenfalls in Konstantinopel aufgenommen. Alle vier (also auch die hier gezeigte) stammen aus ein und derselben Quelle, so daß auch für dieses türkische Motiv Abresch in Frage kommen dürfte. Die anderen drei Daguerreotypien sind von Hand rund bzw. oval geschnitten und anschließend gestempelt worden. Dann hat man sie in metallene Zierringe eingefasst.

Die Publizierung dieser Daguerreotypie aus Dresden in dem Buch "Der gefrorene Augenblick - Daguerreotypie in Sachsen" hat inzwischen dazu geführt, daß eine hervorragende halbe Platte mit gleichem Motiv (siehe Bild unten) in der Sammlung Dr. Hans Werner Gummersbach endlich identifiziert werden konnte. Dr. Gummersbach, der seine Rarität vor Jahren in Paris erstand, hat lange Zeit unter Inanspruchnahme zahlreicher Spezialisten in vielen Photosammlungen der Welt vergeblich versucht, das Architekturmotiv zu ergründen. Jetzt half der Zufall, das Rätsel zu lösen. Allerdings bleibt die Frage, wer Urheber dieser großen Platte gewesen ist. Wahrscheinlich wurde sie vom gleichen Standpunkt aufgenommen, vielleicht sogar aus dem gleichen Hotelzimmer? War auch in diesem Fall Abresch der Photograph? Die Platte der Sammlung Dr. Gummersbach trägt einen Plattenstempel: DAGUERREOTYPE RICHEBOURG A PARIS. War also der bekannte Pariser Daguerreotypist Ambroise Pierre Richebourg (1810-1874) der Aufnehmende? Oder stammt nur die Platte aus seiner Produktion?

Wer kann Angaben zu Abresch machen oder hat sonstige Hinweise, die zur Klärung dieser spannenden Fragen beitragen können?
   




Ganz oben: Die Aufnahme in den Technischen Sammlungen Dresden, die wahrscheinlich von Abresch stammt.

Mitte: Detail aus dieser Daguerreotypie.

Links: Die halbe Platte mit ganz ähnlichem Motiv aus der Sammlung Dr. Gummersbach.

   
   
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