ZUM MONATS-ARCHIV
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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Gustav Oehme (1817-1881)

Drei Herren vor einem Treppenaufgang
1/4-Platte mit originaler Montierung
"Berlin d. 16. Maerz 1844."
Galerie Berinson, Berlin

Zu den Höhepunkten im Bereich früher Photographie zählte auf der 82. Auktion der Galerie Bassenge 2003 in Berlin eine Daguerreotypie aus dem Jahre 1844, die der Berliner Daguerreotypist Gustav Oehme aufgenommen hat. Glücklicher Erwerber dieser wohl ältesten erhalten Porträtaufnahme aus Berlin ist die Photogalerie Berinson in Berlin. Galerist Hendrik Berinson (der uns freundlicherweise das Bildmaterial zur Verfügung stellte) sicherte sich damit zweifellos ein Filletstück deutscher Photographie der Frühzeit. Im deutschen Sprachraum tauchen vergleichsweise nur sehr selten Stücke dieser Güte auf: der Zweite Weltkrieg und die Ignoranz späterer Jahre haben tiefe Breschen in die Überlieferung früher Photographie geschlagen.
Schmerzlich wird einem auch bewusst, das ausgerechnet für Berlin eine aktuelle Publikation über den Beginn der Photographie fehlt. Hier bildet immer noch Wilhelm Dosts Büchlein aus dem Jahr 1922 "Die Daguerreotypie in Berlin 1839-1860" ein unentbehrliches, wenn auch etwas von der Zeit überholtes, Nachschlagewerk. Hinsichtlich der Person des Daguerreotypisten Oehme wusste Dost zu berichten: "Nach seinen eigen Aussagen (Protokoll des Photogr. Vereins v. 1863 zu Berlin, Sitzung vom 16. Juni 1863) war Oehme 1840 bis 1842 in Paris gewesen, wo er als junger Mechaniker und Optiker Gelegenheit fand, ein Schüler Daguerres zu werden. In Paris fertigte Oehme 1840 seine erste Platte an." Man darf diese Erinnerung sicherlich ein wenig kommentieren: Daguerre führte Veranstaltungen durch, bei denen er vor versammelter Zuhörerschaft sein Verfahren beschrieb und demonstrierte. Oehme dürfte also bei einer dieser Vorführungen dabei gewesen sein. Dass er ein "Schüler" im engen Sinne gewesen sei, also über längere Zeit direkt bei Daguerre weilte und dort unter dessen Aufsicht lernte, kann man sicherlich nicht behaupten. Zu viele Daguerreotypisten nahmen für sich eine "Schülerschaft" in Anspruch, als dass Daguerre sie hätte alle einzeln betreuen können.
"Nach Berlin zurückgekehrt, übernahm er (Oehme) ein im Hause Jägerstraße 19/20 befindliches mechanisches und optisches Geschäft, welches er zu hohem Ansehen brachte. Gustav Oehme fand dabei immer noch Zeit, als Liebhaber sich mit der Daguerreotypie zu beschäftigen." Später machte er die Daguerreotypie zu seiner Haupterwerbsquelle. Im Jahr 1844, in dem die hier vorgestellte Daguerreotypie entstand, fand in Berlin die "Allgemeine Ausstellung deutscher Gewerbserzeugnisse" statt. Zum ersten Mal gab es eine Abteilung "Daguerreotype", in der neben sieben weiteren Ausstellern auch Oehme dabei war. Er bot acht "Lichtbilder" dar, wie man die Daguerreotypien damals auch bezeichnet hat.

   
Ganz oben: Drei Männer haben sich vor einem Aufgang gruppiert, Daguerreotypie von Gustav Oehme. Diese Daguerreotypie und weiteres photographisches Material der Frühzeit stammte aus dem ehemaligen Besitz des Berliner Photographen Waldemar Titzenthaler. Eine beiliegende Notiz zeugt von der Weitsicht des Mannes: "Diese beiden gerahmten Daguerreotypien müssen sehr sorgfältig aufbewahrt werden. Es sind wertvolle Sammlungsstücke aus der Frühzeit der Lichtbildkunst, ihre Zahl vermindert sich von Jahr zu Jahr, sie sind schon jetzt sehr gesucht - besonders im Original Rahmen der Vergangenheit. W. Titzenthaler Berlin 1925"

Darunter: Rückseitig befindet sich das Etikett Oehmes und das Datum der Aufnahme. 2 Taler und 20 Groschen kostete die Daguerreotypie 1844.

Darunter: Ende der 1840er Jahre änderte Oehme sein Etikett, als Hausnummer taucht nun die 19 auf.

Links: Auch die Passepartouts änderten sich am Ende der 1840er Jahre und passten sich der allgemeinen Mode an. Bildnis Prof. Jeanrenaud von Oehme, Technische Sammlungen Dresden (aus dem Buch "Der gefrorene Augenblick, Chemnitz 2004).

   
   
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