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HIER STELLEN WIR MONATLICH
EINE BESONDERE DAGUERREOTYPIE VOR

Bertha Beckmann (1815-1901)

Porträt eines alten Paares
Sachsen, Ende 1842/Anfang 1843
Daguerreotypie, 1/4-Platte
Passepartout aus Papier, von Hand (!) aufgemalte Inschrift: "Bertha Beckmann aus Cottbus."
Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin


Das Buch
"Der gefrorene Augenblick. Daguerreotypie in Sachsen" macht ausführlich mit dem Leben und Wirken der in Cottbus geborenen Bertha Beckmann bekannt. Beckmann, die Tochter eines Schneidermeisters, hat nach ihren eigenen, 1844 vor dem Leipziger Rat gemachten Angaben gleich nach Bekanntgabe der Erfindung das Daguerreotypieren erlernt. Archivalisch greifbar wird dies zwar nicht, wohl aber eine Lehrzeit in der zweiten Hälfte des Jahres 1842 bei Wilhelm Horn in Prag. Möglich ist auch, daß sie bei Horn ihre bereits erworbenen Kenntnisse nur vertieft hat. Sie tritt schon Anfang Dezember 1842 als praktizierende Photographin in der Dresdner Presse in Erscheinung, viel früher als Antonia Correvont in München. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Bertha Beckmann die erste kommerziell arbeitende, umherziehende Porträt-Daguerreotypistin der Welt gewesen. Vor ihr hatte bekanntlich schon Frau Giroux in Paris, die Ehefrau des Kameraherstellers, 1839 Daguerreotypien angefertigt. Diese waren aber als "Werbeaufnahmen" für den Kameravertrieb gedacht und wurden den Apparaten beigefügt. Mit der Tätigkeit einer wandernden Daguerreotypistin, die Menschen porträtierte und sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen mußte, ist dies nicht zu vergleichen.
Das Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz besitzt eine Daguerreotypie, die aufgrund ihrer rückseitigen Inschrift bisher in das Jahr 1862 datiert wurde. Durch die freundliche Erlaubnis des Bildarchivs können wir diese interessante Arbeit hier vorstellen. Es steht inzwischen fest, daß die Daguerreotypie wesentlich älter ist und wahrscheinlich das früheste Zeugnis der photographischen Tätigkeit Bertha Beckmanns verkörpert. Das archaische Passepartout trägt eine von Hand geschriebene Firmierung. Bertha, die 1845 heiratete und sich von diesem Zeitpunkt an Wehnert, nach 1847 Wehnert-Beckmann nannte, trägt hier noch ihren Mädchennamen und gibt ihre Geburtsstadt Cottbus an. Ab 1844 tat sie das nicht mehr, denn sie hatte sich inzwischen in Leipzig fest etabliert.
Die hier vorgestellte Daguerreotypie ist noch mit allen technischen und kompositorischen Schwächen behaftet, die typisch sind für die ersten Stunden der Photographie. Sie zeigt im Vergleich mit späteren Aufnahmen der großen Künstlerin, daß deren Talent "nicht vom Himmel fiel", sondern sich in steter Vervollkommnung von den ersten tastenden Versuchen hin zu großartigen Kompositionen (insbesondere im Bereich der Kinderphotographie) entwickelt hat.
   




Ganz oben: Beschriftung des Passepartouts

Mitte: Ein altes Paar

Links: Der Bildaufbau zeigt alle Merkmale frühester Daguerreotypiebilder.

   
   
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