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ÜBERSICHT RESTAURIERUNG

Restaurierung und Konservierung von Daguerreotypien FALLBEISPIEL 5

Unbekannter Daguerreotypist
Doppelporträt, vielleicht Mutter und Tochter
Abmessungen: 1/8-Platte
Deutschland (?), um 1850
Eigentümer/Auftraggeber der Restaurierung: Privatsammlung

Schadensbild

Alle Hoffnungen zielten darauf ab, dass sich durch eine Reinigung von Glasscheibe und Daguerreotypieplatte ein wesentlich verbessertes Erscheinungsbild des wunderbaren Motivs einstellen würde.
Durch Risse und Fehlstellen im braunen Versiegelungspapier drangen über lange Zeit feine Staubkrümel ein, welche das Bildnis deutlich verunklärten. Wie ein Schleier lag der Schmutz über der Darstellung.

Konservierung/Restaurierung

Mit Hilfe von Enzymen wurde das brüchige Versiegelungspapier auf der Glasscheibe angelöst und dann vorsichtig nach außen umgeschlagen. Nach dem Abnehmen der Glasscheibe konnte das Papierpassepartout entfernt werden, da es zum Glück nur mit zwei Klebepunkten fixiert war. Die Daguerreotypieplatte wurde abgelöst und mit destilliertem Wasser gereinigt, in Aethylalkohol gebadet und auf einer Wärmeplatte getrocknet.
Das umgeschlagene Versiegelungspapier erhielt auf der Innenseite eine zweite Schicht aus dünnem Papier, die es zum einen stabilisierte, zum anderen aber auch die Risse überbrückte und die Lücken schloss.
Nachdem die Daguerreotypie und das Passepartout wieder befestigt waren, konnte die gereinigte Glasscheibe aufgelegt und das inzwischen stabilisierte Versiegelungspapier wieder zurückgeschlagen und mit Gelatine verklebt werden. Abschließende Retuschen mit Künstlerölfarbe vollendeten die Arbeiten.
Nahzu "jedes Krümel" der Originalversiegelung konnte auf diesem Weg erhalten werden, was für die Authentizität des Stückes sehr wichtig ist. Da die Ergänzungen kaum sichtbar sind, wurde dem ursprünglichen Erscheinungsbild kein Abbruch getan.
Das einfache Aufschneiden der Versiegelung und Darüberkleben neuzeitlichen Papiers, wie es noch weithin praktiziert wird, sollte der Vergangenheit angehören.

Hinweis:

Der kleine Reflexionspunkt auf der Daguerreotypie unten rechts rührt von einem winzigen Schlag her, den die Kupferplatte bereits bei ihrer Herstellung im 19. Jahrhundert erhielt.





   

   
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