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ÜBERSICHT RESTAURIERUNG

Restaurierung und Konservierung von Daguerreotypien FALLBEISPIEL 4

Unbekannter Daguerreotypist
Bildnis des Alexander Maximilian Speck von Sternburg (1821–1911) und seines kleinen Sohnes Alexander (1851–1891)
Abmessungen: 1/4-Platte
zugehöriges Lederetui, innen mit rotem Samtkissen (darauf geprägtes Rankenmotiv und gefüllte Blumenvase)
England (Leeds ?), ca. 1853–1854
Eigentümer/Auftraggeber der Restaurierung: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Inventarnummer: F/2673/2003

Alexander Maximilian Speck von Sternburg wurde am 6. November 1821 in Leipzig als Sohn des Wollgroßhändlers und Kunstmäzens Maximilian Speck von Sternburg geboren.
Im Jahre 1841 segelte der Zwanzigjährige nach Australien, wo er landwirtschaftliche Studien trieb. Als er 1844 nach Europa zurückkehrte, ließ er sich in England nieder, um in Leeds eine Wollhandlung zu gründen.
Mit dem Tod seines Vaters mußte er 1856 nach Deutschland zurückkehren und die Besitzungen in Lützschena bei Leipzig und St. Veit in Bayern übernehmen. Aus seiner Ehe mit Martha Stocks gingen 13 Kinder hervor. Als designierter Majoratserbe widmete er sich der Verwaltung der umfangreichen landwirtschaftlichen und gewerblichen Liegenschaften der Familie.
Der auf dem Arm des Vaters ruhende Knabe Alexander starb bereits 1891 im Alter von vierzig Jahren. (Text Christoph Kaufmann)


Schadensbild

Glaszerfall ist eine unschöne, aber häufig bei Daguerreotypien anzutreffende Erscheinung. LINK
Relativ große Alkalitropfen auf der Innenseite der Scheibe ließen Schlimmes vermuten. Deshalb wurde die Daguerreotypie aus dem Etui herausgenommen und der Preserver entfernt.

Konservierung/Restaurierung

Nun konnte das historische Zeitungspapier, welches dem Daguerreotypisten als Siegelpapier diente, zerstörungsfrei von der Glasscheibe abgelöst werden. Wie durch ein Wunder ist die Darstellung nahezu unversehrt geblieben, fast keines der Alkalitröpfchen hatte die Oberfläche des charismatischen Doppelporträts erreicht. Aus Weißglas wurde eine neue Scheibe zugeschnitten, als Klebstoff für die Neuversiegelung diente Gelatine. Ganz wichtig erschien es uns, dass das Zeitungspapier völlig unversehrt blieb. Es ist ein interesantes Zeugnis für die Praxis der Daguerreotypisten.

   

   
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