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ÜBERSICHT RESTAURIERUNG

Restaurierung und Konservierung von Daguerreotypien FALLBEISPIEL 2

Zwei Gruppenaufnahmen Plauener Bürgerschullehrer
montiert unter einem Deckglas
Plauen um 1848
Daguerreotypien, zwei 1/4-Platten
Passepartout aus bedrucktem Papier, Goldborte aus geprägtem Papier
Eigentümer/Auftraggeber der Restaurierung: Vogtlandmuseum Plauen
Inventarnummer: VII 8279 (alte Nummer K 107)

Auf zwei querformatigen Daguerreotypien befinden sich insgesamt 17 Lehrer der Stadt Plauen abgebildet. Sie sitzen bzw. stehen jeweils in zwei Reihen. Hinter Ihnen befindet sich ein gemalter Hintergrund mit einem gotischen Maßwerkfenster. Die zwei identischen Passepartouts sitzen direkt aneinander, die Fuge ist durch eine goldene, geprägte Papierborte abgedeckt, die auch außen um die ganze Platte läuft. Auf der Rückseite der Doppeldaguerreotypie befindet sich ein Zettel mit den Namen der Abgebildeten aufgeklebt.

Schadensbild

Die für Plauens Stadt- und Kulturgeschichte bedeutsame Doppel-Daguerreotypie befand sich in einem sehr schlechten Zustand. Deckglas und Passepartout einschließlich der zwei Daguerreotypieplatten hatten sich voneinander getrennt (nur an der oberen Schmalseite haften die Bestandteile noch durch das Klebepapier zusammen), so dass Luft nahezu ungehindert eindringen konnte. Die schwefelhaltigen Bestandteile der Luft haben beide Bildplatten in den Randbereichen verfärbt. Das Deckglas war auf beiden Seiten so extrem verschmutzt, dass die Bildwirkung stark beeinträchtigt wurde, besonders beim unteren Motiv. Die aufgeleimte Papierborte in der Mitte hat eine Fehlstelle.
Die beiden mit Goldornamenten bedruckten Passpartout-Kartons sind rotbraun-schwärzlich verfärbt, wohl durch eine chemische Reaktion. Diese Schädigung ist nicht rückgängig zu machen.
Das Rückpapier der Daguerreotypie ist verschmutzt und eingerissen.

Konservierung/Restaurierung

Deckglas und Passpartouts bzw. Rückpappe wurden zunächst vollständig voneinander getrennt. Die geprägte Zierborte mußte abgelöst und das Deckglas gereinigt werden. Die ebenfalls stark (mit zum Teil fest anhaftendem Staub) verschmutzten Daguerreotypie-Platten wurden vorsichtig von der Rückpappe abgenommen und in destilliertem Wasser gespült. Anschließend wurden sie in Alkohol gebadet und über einer Wärmeplatte getrocknet. Von einer elektrochemischen Reinigung wurde Abstand genommen, weil nach Säuberung von Platte und Deckglas bereits eine enorme Verbesserung eingetreten war und das Silbersulfid die Bildwirkung nicht beeinträchtigt. Mit Hasenhautleim und Papierstreifen konnten die Platten wieder befestigt werden.
Deckglas und Rückpappe samt Daguerreotypien wurden mit hellbraunem Papierband und Gelatine miteinander luftdicht verklebt. Kleine Retuschen erfolgten mit Künstlerölfarbe. In einem letzten Arbeitsgang wurde die Goldborte wieder aufgebracht.

Wenn Sie auf das unten stehende Bild klicken, erfahren Sie noch einige interessante geschichtliche Aspekte zu diesen Platten.

   

   
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