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PASSEPARTOUTS

Wozu ein Passepartout?

Jede Daguerreotypie benötigt im Normalfall ein Passepartout (im englischen Sprachraum "Mat" genannt), das nicht nur einen definierten (von der momentanen Mode abhängigen) Bildausschnitt, sondern vor allem den notwendigen Abstand zum Deckglas erzeugt. Dieser Abstand ist notwendig, damit sich Glas und empfindliche Bildschicht nicht unmittelbar berühren. Er beträgt wenige Zehntel Millimeter (Papierstärke) bis einen Zentimeter und mehr. Es gibt aber auch passepartoutlose Daguerreotypien, bei denen das Deckglas dann allerdings eine leichte Wölbung aufweist.
Warum darf das Passepartout die Daguerreotypie vollflächig berühren, das Glas aber nicht? Diese Fragestellung hat sich vielleicht nicht von Beginn an gestellt. Nach einigen Jahren bis Jahrzehnten stellte sich heraus, dass viele Glasscheiben – bedingt durch ihre chemische Zusammensetzung – von der Glaskrankheit befallen wurden. Die dabei auf der Innenseite (also der Daguerreotypieplatte zugewandten Seite) austretenden ätzenden Alkalien verursachen Defekte auf dem Bild. So lang die Tröpfchen sehr klein sind, schützt der vom Passepartout erzeugte Abstand das Bild vor der schädigenden Wirkung. Dieser wohl nicht ursprünglich einkalkulierte Effekt rettete mancher Daguerreotypie das Leben – bis heute.
Legt man die Scheibe direkt auf die Daguerreotypie, kommt es sehr schnell zu regenbogenfarbig schillernden Schlieren, so genannten Interferenzerscheinungen. Vermeiden lässt sich dieses unschöne Erscheinungsbild durch das Passepartout.
Natürlich ist das Passepartout auch ein schmückendes Element und damit ein Spiegel der jeweiligen Zeit. Es kann bei Datierungen helfen - zumindest in groben Umrissen.
Das erste Passepartout unserer Aufzählung besteht aus weißem Papier, auf dem man mit Tusche und Feder ein Achteck gezeichnet hat. Die zugehörige Daguerreotypie von Andreas Groll aus Wien entstand 1842.

Der achteckige Bildausschnitt gehört zu den ältesten Formen der Passepartouts. Im zweiten Fallbeispiel hat man eine Glasscheibe von Innen mit Farbe und Blattgold beschichtet (Hinterglasmalerei). Das Stück trägt eine authentische Datierung "1845".
Um 1848 enstand diese Neuntel-Platte des sächsischen Daguerreotypisten Franke. Er verwendet ein grünes Papier, dessen achteckiger Auschnitt mit vergoldeter Papierborte eingefasst ist.
Bei dieser um 1846-50 vom Nürnberger Daguerreotypisten Friedrich Hahn gefertigten Daguerreotypie bildet ebenfalls ein Achteck das Hauptmotiv auf dem Passepartout, allerdings ist der eigentliche Bildausschnitt viereckig. Auch hier wurde ein dünne Goldborte aufgeklebt.
Ende der 1840er Jahre erobern, von Frankreich kommend, Glaspassepartouts den Markt. Prinzipiell sind sie wie das obige Beispiel von 1845 hergestellt, doch kommen nun ovale oder rechteckige Ausschnitte in Mode, nur keine achteckigen. Zwischen Glasscheibe und Daguerreotypie liegt noch ein dünnes, schwarzes Papier.
Um den Abstand zwischen Daguerreotypieplatte und Glasplatte zu erhöhen und somit eine gewisse Tiefe zu erreichen, wird zwischen dem dünnen schwarzen Papier und der Glasscheibe noch eine dickere Pappe mit Ausschnitt eingeschoben. Die Ränder des Ausschnitts sind "tiefgezogen" und bronziert. In der Regel sind die Glasscheiben auf der Innenseite schwarz beschichtet und weisen entlang des Bildausschnittes eine dünne Goldlinie auf. Seltener gibt es die Glasplatten in Weiß. Beliebt, aber weniger häufig als die schwarzen vorkommend, sind Glasplatten mit rot-schwarz gefleckter Bemalung. Dies soll keinen Marmor imitieren, sondern Schildpatt. Die beschriebene Art der Fassung kommt aus Frankreich, verbreitet sich aber schnell in ganz Europa. Sogar nach Amerika gelangten solche Exemplare, sind aber dort sehr selten.
Eine herausgelöste Pappe mit "tiefgezogenem" Bildausschnitt.
Der "tiefgezogene" Rand des Ausschnitts ist mit leicht körnig wirkender Goldbronze beschichtet.
Dieses deutsche Passepartout mit ovalem Ausschnitt stammt aus dem Jahr 1851. Der schwarze Fond ist goldfarben bedruckt.
Etwa zur gleichen Zeit entstand dieses Passepartout aus blau-gelb bedrucktem Papier.
In den USA verwendete man überwiegend goldfarbene Passepartouts, die in der Frühzeit (unser Beispiel stammt aus der Zeit um 1843-45) aus dünner Pappe sein können.
In den 1840er Jahren gibt es in den USA auch Passepartouts aus starkem Papier (häufig mit achteckigem Ausschnitt, seltener oval), die ornamental bedruckt werden.
Ebenfalls in die 1840er Jahre gehören in den USA Passepartouts aus vergoldetem Metall, die einen rechteckigen, oben gerundeten Ausschnitt aufweisen.
Ab ca. 1847 tritt in den USA diese eigenwillige Ausschnittsform auf, die sich bis Anfang der 1850er Jahre hält. Das Material ist immer vergoldetes Messingblech.
Der ovale Ausschnitt gehört bei amerikanischen Daguerreotypien zu den ältesten Formen, denn es gibt sie sofort ab dem Aufkommen der Porträtdaguerreotypie. Die schmucklosen, an der Oberfläche wie Sandpapier wirkenden Bleche sind typisch für die 1840er Jahre, später sind die Bleche meist glatt. Statt der Sandstruktur prägte man Ornamente ein (siehe weiter unten).
Diese Ausschnittsform kommt um 1848 bei amerikanischen Daguerreotypien auf und bleibt ein paar Jahre in Mode. Die frühen tragen eine Sandstruktur. Um diese Zeit wird auch der Preserver erfunden, eine Art Rähmchen aus dünnem Messingblech.
Das typische Passepartout eines noblen Studios sieht in den 1850er Jahren so aus. Der Preserver ist Standart geworden.
Detailaufnahme vom Rand des Ausschnitts
In den 1850er Jahren nimmt die Verzierung der Passepartouts an amerikanischen Daguerreotypien stark zu, ganz gleich, welche Ausschnittsform. Auch die Preserver werden immer reicher geprägt.

   
   
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