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AUTORISIERUNGEN

Leider sind nur die wenigsten Daguerreotypien mit dem Namen des Lichtbildners versehen. Man schätzt, dass lediglich 25 Prozent aller Silberbilder eine Autorisierung tragen. Hinzu kommt ein kleiner Prozentsatz nicht gekennzeichneter Daguerreotypien, bei denen sich jedoch durch andere Indizien die Urheberschaft nachweisen lässt. Dazu zählen Atelierutensilien wie Vorhänge, Sitzmöbel, Tischdecken und kleine Accessoires (Vasen, Skulpturen, Schreibzeuge usw.), wobei jedoch vor allzu voreiliger Zuweisung gewarnt werden muss - denn bisweilen waren diese vermeintlichen "Alleinstellungsmerkmale" weiter verbreitet, als man vermuten möchte. Schon in den 1850er Jahren stellte man Ateliermöbel in Serie her, die deshalb auf Daguerreotypien verschiedenen Ateliers gleichermaßen auftauchen können.
Am sichersten ist die direkte Autorisierung. Diese kann sehr unterschiedlich ausfallen. Vor allem in Europa war das Anbringen eines Etiketts auf der Rückseite der Daguerreotypie recht gebräuchlich.

Die lithographierten Etiketten reichen in ihrer Ausführung von kleinen Klebeschildchen (Abb. 1/2) bis hin zu großen Werbetexten, welche die ganze Rückfläche des Daguerreschen Bildes einnehmen (Abb. 3). Besonders französische Daguerreotypisten machten von letzterer Möglichkeit häufig Gebrauch.

Abb. 1 - Rückseite einer Daguerreotypie von J. G. Schulze aus dem sächsischen Glauchau.

Abb. 2 - Etikett des Rochlitzer Daguerreotypisten Guido Mägerlein. Meist sind diese kleinen Papieretiketten schief und krumm, weil sie der Daguerreotypist oder sein Gehilfe mit der Schere oder einem Messer von Hand aus einem größeren Bogen ausschnitten.

Abb. 3 - Etikett des französischen Daguerreotypisten Bois, auf dem der Lichtbildner seine "Künstlerschaft" preist. Solche Etiketten boten auch die Möglichkeit, mit kleinen Bildern aufzuwarten – in diesem Fall mit einer Atelierszene.
Französische und österreichische Etuis, bei denen die Daguerreotypie lose in einer Vertiefung liegt und mittels eines kleinen Seidenbändchens herausgehoben werden kann, wurden bisweilen mit Klebeetikett ausgestattet.

Abb. 4 - Daguerreotypie-Etui des Pariser Daguerreotypisten Adolphe Legros aus dem Jahr 1855. Das Etikett befindet sich unter der herausnehmbaren Daguerreotypie eingeklebt. Legroß war eine schillernde Figur unter den Pariser Photographen und betrieb sein Atelier seit 1852 am Palais Royal in der Galerie de Valois.
Abb. 5 - Europäische Photographen mit größerem Arbeitsaufkommen ließen ihren Namen direkt auf das Passepartout aufdrucken, wie in diesem Fall Bertha Beckmann (später Wehnert-Beckmann) aus Cottbus. Es zeugt von großem Geschäftssinn und Erfogsglaube, wenn schon um 1842/43 solche Aufdrucke vorgenommen wurden.
Abb. 6 - Der Londoner Kohlengroßhändler Richard Beard, der 1841 das erste kommerzielle Daguerreotypie-Atelier in Europa eröffnete, verwendete neben verschiedenen anderen Varianten (siehe auch unten) die Autorisierung mittels handschriftlicher Signatur. Mit blauer Tinte fand sich Beards Schriftzug in einem Papieroval im Etui und rief den Eindruck hervor, Beard wäre der Urheber des jeweiligen Porträts. In Wirklichkeit hat Beard nie daguerreotypiert, sondern fähige Operateure eingestellt, welche diese Arbeit übernahmen.
Abb. 7 - Neben gedruckten Atelierbezeichnungen kommen auch säuberlich von Hand geschriebene Firmierungen auf dem Passepartout vor, wie hier bei Jean Baptiste Sabatier-Blot, der zu den ersten Daguerreotypisten der französischen Hauptstadt Paris zählte.
Vor allem in England brachten Daguerreotypisten ihr Logo auf der Außenseite des Etuis an. Die unter Verwendung von Blattgold in das Leder geprägten Schriftzüge verliehen dem Etui dann einen höchst vornehmen Charakter.

Abb. 8 - Etui der englischen Daguerreotypisten Ross und Thomson aus Edinburgh mit eingeprägtem Atelierstempel.
Eine weitere, besonders in Amerika zur Anwendung gebrachte Variante der Autorisierung bestand im Aufkleben kleiner gedruckter Firmenschildchen auf das Metallpassepartout. Aber auch andern Orts pflegte man diese Art der Werbung. Selbst bei einer russischen Daguerreotypie konnten wir schon einen solchen winzigen Papierstreifen mit dem Photographennamen finden.

Abb. 9 - Der amerikanische Daguerreotypist Thomas P. Collins, der seinen Wirkungsort häufig wechselte, klebte kleine Schildchen mit Goldschrift auf schwarzem Grund auf die Passepartouts. So wie Collins autorisierten auch viele andere amerikanische Kollegen ihre Arbeiten in dieser Weise.
Das Samtkissen auf der linken Etuihälfte war für die Autorisierung sehr gut geeignet, denn hier ließen sich im Heißprägeverfahren Schriften aufbringen. Es gibt die Inschriften vertieft und glattgepresst – aber auch plastisch als Samtflor stehend, während die Umgebung glattgepresst wurde.
Seltener sind mit Druckfarbe gestempelte Inschriften, die einen glatten Seidenstoff als Träger benötigten. Insbesondere Etuis der 1840er Jahre sind mit Kissen ausgestattet, die mit Seide überzogen sind.

Abb. 10 a - Linke Hälfte eines Etuis des Daguerreotypisten Oliver H. Willard aus Philadelphia mit heißgeprägten Schriftzügen auf rotem Samt.













Abb. 10 b - Linke Hälfte eines Etuis des Daguerreotypisten John William Newland in Calcutta (Indien) mit aufgestempeltem Logo auf roter Seide.
Bei manchen amerikanischen Daguerreotypien findet sich auf der Rückseite der Platte, eingeklemmt vom umgebogenen Preserver, ein Kärtchen mit der Firmierung.

Abb. 11 a - Firmenkarte der Picture Company Tyler & Co. in Boston. Es handelt sich um eines der 25 Cent-Studios in den USA, in denen man tatsächlich für diesen niedrigen Preis eine Daguerreotypie im neuntel Format erwerben konnte. Ein perfekt durchorganisierter Arbeitsablauf mit mehreren Gehilfen ließ die Kosten sinken. Der tatsächlich agierende Photograph bleibt unbekannt.

Abb. 11 b - Firmenkarte von Shew's Daguerreotype Rooms in San Francisco, sie wurde wie die oben gezeigte Tyler-Karte auf der Rückseite der preiswerten neuntel Platten unter dem Preserver festgeklemmt.
Vor allem in Frankreich und England gravierte man den Namen des Daguerreotypisten direkt in die Vorderseite der versilberten Platte, konnte ihn also durch das Schutzglas erkennen.

Abb. 12 a - Gravierte Autorisierung, die zudem mit einer Widmung verknüpft ist: Der französische Daguerreotypist Guesné übereignete am 9. Oktober 1850 diese Daguerreotypie dem französischen Bildhauer Henri-Charles Maniglier.

Abb. 12 b - Auch aus den USA sind (seltene) Fälle bekannt, so wie diese Daguerreotypie, auf der sich der New Yorker Daguerreotypist James Brown mit einer Gravur verewigte: "James Brown's Gallery. N. Y."
Eine weniger elegante Methode war das Einschlagen des Namens mit einem entsprechenden Stempelwerkzeug. Im Gegensatz zum eigentlichen Plattenstempel (Herstellerfirma) war der Schriftzug des Daguerreotypisten logischerweise nicht unter dem Passeapertout verborgen.

Abb. 13 - Schlagstempel auf einem oval geschnittenen Silberbild des Daguerreotypisten und Plattenherstellers F. Abresch. Der Schriftzug ist von außen durch das Deckglas gut zu erkennen.
Größere Ateliers beschäftigten mehrere Operateure, welche für die Aufnahmen zuständig waren. Diese hinterließen manchmal auf der Rückseite der Kupferplatte ihren jeweiligen Namen, sodass in solchen Fällen eine Autorisierung gelingen kann. Allerdings sind diese Fälle extrem selten, zumal sie "unsichtbar" bleiben und nur bei Restaurierungsarbeiten gefunden werden.

Abb. 14 - Die eingeritzte Inschrift "John" verweist auf den Naturwissenschaftler John Frederick Goddard, der in den ersten Monaten für Richard Beard in London tätig war.

Die Autorisierung kann handschriftlich erfolgt sein, was allerdings nur sehr selten vorkommt.

Abb. 15 a - In einem Etui hat sich unter der herausnehmbaren Daguerreotypie die Nachricht des Daguerreotypisten - mit Bleistift geschrieben - erhalten. Der Photograph J. P. Leisenring aus Danville (USA) hat diese Aufnahme am 10. August 1854 gefertigt.


Abb. 15 b – Unter einer Daguerreotypie findet sich die Tinteninschrift des Daguerreotypisten Julius Brill aus New York direkt im Etui, datiert auf den 30. September 1857.
Abb. 16 - Auch bei diesem Beispiel aus dem Jahr 1842 verewigte sich der Daguerreotypist handschriftlich - es ist der Wiener Photopionier Andreas Groll. Innerhalb der mit Tinte ausgeführten Inschrift vermerkte er zusätzlich sogar die Dauer der Aufnahme mit 20 Sekunden.
Eine häufige Form der Autorisierung bestand in den USA im Stempeln (Prägens) des metallischen Passepartouts. Mit einem Schlagstempel wurde der Photographenname, manchmal auch dessen Adresse, aufgebracht.

Abb. 17 a - An der rechten unteren Ecke befindet sich der Schlagstempel des amerikanischen Daguerreotypisten John Plumbe junior. Er besteht lediglich in dem aus Versalien gesetzten Namen "PLUMBE".

Abb. 17 b – Auch die in Gemeinschaft arbeitenden Daguerreotypisten Charles R. Clark & Henry Holmes aus Troy im Bundesstaat New York prägten ihre Firmierung ein, allerdings verbanden sie dies mit einem Hinweis auf ein gemeinsamens Patent. So ist in der rechten Ecke des Mats zu lesen: "PAT. JULY 4 & 11. 1854".
Abb. 18 - Richard Beard in London verwendete in der Frühzeit des Mediums Daguerreotypie massive, aus Messing gegossene Passepartouts, auf denen durch den Gießprozess der erhabene (vergoldete und polierte) Schriftzug "BEARD PATENTEE" erschien - eine besonders luxuröse Variante der Autorisierung.
Eindeutige Zuweisungen werden durch Hinweise möglich, die sich auf dem Daguerreotypie-Motiv finden lassen. Dazu zählen Beschriftungen auf Möbeln, Tischdecken oder Vasen.

Abb. 19 - Am Postament der Säule hat der Daguerreotypist Perry seinem Namenszug angebracht. Allerdings gab es unter den frühen Photographen in den USA mehrere Träger dieses Namens, so dass eine Identifizierung noch nicht erfolgen konnte.
Abb. 20 - Auf einer Tischdecke eingestickt erscheint der Name des Leipziger Photographiepioniers Eduard Wehnert, wodurch sich -so könnte man vermuten- eine klare Zuordnung der Daguerreotypie ergibt. "Ed:Wehnert fecit = Eduard Wehnert hat es gemacht"
Allerdings bleibt die vermeintlich so eindeutige Aussage gerade im Fall Wehnert mit Zweifeln behaftet. Wehnerts Frau, die Daguerreotypistin Bertha Wehnert-Beckmann, hat aus Sentimentalität auch nach dem frühen Tod ihres Gatten die Tischdecke weiter benutzt.

Die bis dato vor allem bei Malern gebräuchliche, nun auch von den Daguerreotypisten übernommene Verwendung des lateinischen Wortes "fecit" verdeutlicht das Bemühen, die Lichtbildnerei unter die Künste einzuordnen.


Abb. 21 – Auch Datierungen kommen bisweilen vor, wozu man sich unterschiedlichster Möglichkeiten bedient. Hier wurde die Datierung "September 1853" auf ein Blatt Papier geschrieben und auf den Schnitt eines dicken Buches geklebt.

Abb. 22 - Wahrscheinlich aus demselben Atelier stammt eine zweite Daguerreotypie, bei der man die Datierung "May 1853" auf den Buchschnitt geklebt hat.






































Abb. 23 / 24 - Bei französischen Daguerreotypien findet man häufig lackierte Glaspassepartouts, auf denen man den Namen des Ateliers findet. Hier in diesem Fall handelt es sich um den Pariser Daguerreotypisten Desire-Francois Millet. "MILLET, rue Montesquieu. 6". Die Aufnahme entstand Anfang der 1850er Jahre.




























Abb. 25 - Der in Köln ansässige Daguerreotypist und Mechaniker Carl August Mauch versah die Rückseiten seiner Daguerreotypien mit einem großen, etwas derb wirkenden, Stempel.

   
   
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