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HAMBURG

S. Fraenkel Junior

Porträt eines Unbekannten vor gemaltem Atelierprospekt
Daguerreotypie, 1/6-Platte
in blattversilbertem Rahmen mit Aufhängeöse
blaues Passepartout aus bedrucktem Papier, auf der Rückseite wie folgt beschriftet:
"Daguerreotyp=Portrait von Fraenkel jun.
Spielbudenplatz No. 17 St. PAULI"
Hamburg, ca. 1846-50
Sammlung May und Jochen Voigt


S. Fraenkel Junior gehört wie sein Bruder L. J. Fraenkel Senior zu den frühesten Berufsdaguerreotypisten Hamburgs, einer Hochburg der Daguerreotypie in Deutschland. Am 3. Dezember 1845 hatte S. Fraenkel am Herrengraben 36 sein erstes festes Atelier eingerichtet, ab dem 11. April 1846 fand man ihn am Spielbudenplatz 17 auf St. Pauli verzeichnet. Mit größter Wahrscheinlichkeit zog er bereits vor 1845 als Wanderdaguerreotypist durch Norddeutschland. Von Beruf war er ursprünglich Blutegelhändler.
Der abgebildete junge Mann in selbstbewußter Pose wurde vor einem gemalten Atelierprospekt aufgenommen, einer weiten Landschaft mit Bergen und einem sich windenden Fluß. Die Verwendung solcher Hintergründe soll der in London arbeitende Daguerreotypist Claudet (1798-1867) im Jahre 1842 als erster empfohlen haben.
Von Fraenkel sind leider nur wenige Aufnahmen bekannt. Zwei Porträtdaguerreotypien besitzt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Die hier vorgestellten Stücke stammen aus der einstigen Sammlung Dr. Vladimir Delavre.

Abgebildet und besprochen sind die Daguerreotypien in dem Buch "Spiegelbilder. Europäische und amerikanische Porträtdaguerreotypie 1840-1860", Chemnitz 2007, S. 32-33.


   

Links: Gemeinsam mit der vorherigen Daguerreotypie erworben, läßt sich auch dieses Porträt für den Hamburger Daguerreotypisten S. Fraenkel jun. in Anspruch nehmen, obwohl das Label fehlt. Der analoge Rahmen indiziert darüber hinaus, daß beide Aufnahmen aus einem Haushalt stammen und die abgebildeten Personen wahrscheinlich in einem Zusammenhang stehen. Auch hier hat man einen gemalten Hintergrund verwendet, allerdings anderer Natur als beim Gegenstück. Die Frau scheint auf einem Balkon zu sitzen, wobei sie ihren Arm auf einem kleinen Tisch abstützt. Das metallene Geländer ist echt, die hügelige Landschaft gemalt.

   
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