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WANDERNDE DAGUERREOTYPISTEN

Nachdem sich abzuzeichnen begann, dass mit dem Daguerreschen Verfahren auch Geld verdient werden konnte, setzte die Zeit der wandernden Daguerreotypisten ein. Eine Stadt oder ein Marktflecken allein bot nicht genügend Kunden, denn die Daguerreotypien kosteten nicht viel weniger als ein vom Miniaturmaler gefertigtes Porträt. Das konnten sich nur gutbetuchte Menschen leisten; noch war die Photographie keine Massenware wie 15 Jahre später. Entbehrungsreich und anstrengend gestaltete sich das Leben der wandernden Daguerreotypisten, die sich meistens in Gartenhäuschen lokaler Gasthäuser einmieteten. Schon vorher gaben sie Anzeigen auf, um auf ihre Kunst aufmerksam zu machen. So inserierte zum Beispiel der aus Wien gekommene F. J. Seitler im Januar des Jahres 1844 im Leipziger Tageblatt:

"DAGUERREOTYP-PORTRAITS mit ausgezeichneten Wiener Apparaten werden im Atelier des Unterzeichnenden zu den Preisen von 2, 3 und 5 Thalern, je nach der Größe der Bilder, verfertigt, von welchen nur ganz gelungene Exemplare ausgehändigt werden. Die Sitzungen finden im Zimmer statt, was wohl zu beachten ist, indem dadurch das unangenehme Sitzen im Freien und manche damit verbundene Unannehmlichkeit beseitigt ist. Auch können Liebhaber dieser so sehr beliebten und interessanten Kunst gegen ein billiges Honorar gründlichen Unterricht erhalten, und auf Wunsch mit ganz vorzüglichen Apparaten versehen werden. Das Atelier befindet sich im Gartensalon des Café Suisse am Petersthore ...".

So und so ähnlich klangen vielerorts die Anpreisungen der wandernden Lichtbildner. Ihr Verdienst besteht nicht zuletzt darin, die Idee der Photographie und den technischen Fortschritt in die entlegensten Winkel der Welt getragen zu haben. Da man auf Reisen nur das Nötigste mitnehmen konnte, begnügte man sich mit aufgespannten Tüchern als neutralem Hintergrund. Auch wirken die Aufnahmen improvisiert, strahlen jedoch gerade dadurch den Reiz des Unvollkommenen aus.


   
oben: Porträt eines jungen Mannes, 1/6-Platte, aufgenommen 1845. Neben dem Mann steht ein Spiegel, der das Licht auf die Wand reflektiert. An dieser Stelle war die Belichtung so stark, daß es zu einer Solarisation (Blaufärbung) kam. Eine rückseitige Inschrift nennt den Namen "Mr. Buell", wobei nicht ganz klar ist, ob es sich um den Namen des Porträtierten oder um den des Wanderdaguerreotypisten Buell handelt, der in den USA tätig war.

mittig: Porträt einer Abolotionistin, d.h. einer Gegnerin der Sklaverei in den Südstaaten von Nordamerika.
Aufnahme vor einem aufgespannten Tuch. 1/6-Platte, USA um 1848-50.

unten links: Porträt eines jungen Mannes, 1/6-Platte, USA um 1843-45. Aufnahme vor einem aufgespannten Tuch.

Alle drei Daguerreotypien Sammlung Voigt

   
   
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