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WELTWEITE AUSBREITUNG

Die Kunde von der Erfindung der Daguerreotypie verbreitete sich wie ein Lauffeuer über den Erdball. Schon kurz nach Bekanntgabe des Verfahrens berichteten Zeitungen in aller Welt über dieses Ereignis. Wenig später starteten in vielen Städten erste Versuche. Daguerresche Kameras aus Paris gelangten in alle europäischen Länder und über den “großen Teich” bis nach Amerika. Amerikanische Kameras kamen nach Europa. In Deutschland erschien schon im September 1839 das Lehrbuch Daguerres in deutscher Übersetzung in der Metzlerschen Buchhandlung zu Stuttgart. Die Städte Berlin, Hamburg, München und Leipzig gelten als Zentren der intensiven Beschäftigung mit dem neuen Medium. Weitere Metropolen im deutschsprachigen Raum waren Wien und Prag.
Im Herbst 1839 erschien auch in Schweden eine Ausgabe des Lehrbuches, das der Buchhändler Adolf Bonnier in die schwedische Sprache übersetzt hatte. Bereits ein Jahr später stellten schon vier (!) schwedische Daguerreotypisten ihre Arbeiten in Stockholm aus. 1840 erschien in Wien die erste Anleitung zum Daguerreotypieren in ungarischer Sprache. Auch in Kroatien war man früh unterrichtet. Der Zagreber Kaufmann und Maler Novakovic weilte 1839 in Paris und nahm dort an Daguerres öffentlichen Vorführungen teil. Er kehrte mit einer Daguerreschen Kamera nach Kroatien zurück und dokumentierte Zagreb und seine Umgebung. In England befaßte sich als Erster der bedeutende Astronom Sir John Herschel mit der Daguerreschen Erfindung. Richard Beard, eigentlich erfolgreicher Kohlengroßhändler, errichtete das erste kommerzielle Porträtstudio Europas in London. Die Beispiele könnten fortgeführt werden. Überall in Europa hatten man zu daguerreotypieren begonnen.
Das weltweit früheste Atelier überhaupt sollen jedoch Wolcott und Johnson im New Yorker Granitbuilding am Broadway installiert haben. Noch vor ihnen beschäftigten sich Samuel Morse (1791 - 1872) und sein Freund Prof. John William Draper (1811 - 1882) in New York versuchsweise mit der Daguerreotypie. Samuel Morse hatte die Daguerreotypie schon im Frühling 1839 bei Daguerre kennengelernt, aber nicht das Herstellungsgeheimnis erfahren. Er unterrichtete später viele Amerikaner und wurde zum "Stammvater" manchen amerikanischen Ateliers.
Auch in Philadelphia arbeiteten Männer der ersten Stunde am neuen Verfahren, namentlich Robert Saxton und Prof. Paul B. Goddard von der Pensylvania-Universität. Robert Cornelius gelang mit einer selbstgebauten Kamera ein Selbstporträt. Die Belichtungszeit soll etwa fünf Minuten betragen haben, als Objektiv fungierte die Linse eines Opernglases. Als dritte große Stadt der USA, in der die Daguerreotypie auf fruchtbaren Boden fiel, muss Boston genannt werden. Nicht Frankreich wurde das wichtigste Land der Daguerreotypie, sondern die Vereinigten Staaten von Nordamerika übernahmen diese Rolle.
In Japan begann sich die Daguerreotypie erst 1848 zaghaft auszubreiten, denn das Land hatte sich nach außen streng abgeschottet und wehrte westliche Einflüsse vehement ab. Einer der mächtigsten Adligen und Samuraikrieger Japans - Shimazu Nariakira (1805 -1858) - erwarb 1848 eine Daguerresche Kamera und begann mit ersten Versuchen. 1857 gelang ihm die Konstruktion eines eigenen Apparates.

   
oben: Porträt der Constance Bernhard, Frankreich um 1850, Daguerreotypie eines unbekannten Photographen, 1/4-Platte.

mittig: John Plumbe Jr. zugeschr.: Bildnis einer unbekannten Frau vor gemaltem Hintergrund, New York um 1845, 1/6-Platte im originalen Etui.

unten links: Daguerreotypie von Friedrich Hahn, dem ersten Daguerreotypisten Nürnbergs, Nürnberg um 1848, 1/6-Platte im originalen Passepartout und Rahmen.

Alle drei Daguerreotypien Sammlung Voigt


   
   
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