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DER BEGINN

Zunächst bezweifelte man die Brauchbarkeit der Daguerreotypie hinsichtlich des Aufnehmens bewegter Objekte. Doch schon 1840/41 kam es zu weiteren Verbesserungen, welche die Aufnahmedauer von mehreren Minuten auf mehrere Sekunden herabsetzten. In erster Linie waren dies ein neues, ungleich lichtstärkeres Objektiv (das nach seinem Erfinder “Petzval-Objektiv” genannt wurde) und eine radikale Verstärkung der Lichtempfindlichkeit der Daguerreschen Platten durch die Kombination der Jodbedampfung mit anderen Chemikalien, etwa Chlor und Brom. Überhaupt sind die ersten Jahre nach 1839 weltweit geprägt vom Experimentieren vieler Enthusiasten, unter ihnen vor allem Naturwissenschaftler, Optiker und Mechaniker. Das noch kurz vorher nahezu unmöglich scheinende gelang: die photographische Aufnahme von Menschen.
Zwar waren schon im Herbst 1839 die ersten Porträtaufnahmen versucht worden, aber mit mehreren Minuten Exposition war dies ein Martyrium für die Aufzunehmenden gewesen. Auch wirkten diese Porträts naturgemäß steif und verkrampft.
Berühmt wurde das Selbstporträt, das der Klempnergeselle Robert Cornelius (1809 - 1893) im November 1839 in Philadelphia herstellte. Es befindet sich heute in der Photosammlung der Library of Congress in Washington. Ähnlich wie die hier rechts abgebildete, jedoch erst 1845 entstandene Aufnahme, wirkt auch das Bildnis des jungen Klempners: Er ist nämlich stark an den Rand verschoben, was er später selbst damit erklärt hat, daß er schnell vor die Kamera eilte und sich setzte, ohne genau sehen zu können, wie er auf der Daguerreschen Platte
erschien. Auch das nebenstehende Abbild des englischen Medizinstudenten Bolton könnte auf diese Weise entstanden sein.
Insbesondere an den Universitäten wurde der neuen
Erfindung große Aufmerksamkeit geschenkt und Experimente waren dort nichts Seltenes. Auch die Wissenschafts-, Handwerker- und Gewerbe-Vereine widmeten sich vielerorts dem Daguerreschen Verfahren. In Deutschland gilt der Berliner Kunsthändler Louis Sachse (1798 - 1877) als derjenige, dem erste Porträtdaguerreotypien gelangen. Er war auch der Erste, der (am 6. Oktober 1841) eine Voigtländer-Kamera aus Wien, dem Herstellungsort, nach Berlin brachte und der Porträtphotographie damit wichtige Impulse verlieh.
   
oben: frühe amerikanische Daguerreotypie mit Passepartout aus bedrucktem Papier, 1/6-Platte in lederbezogenem Holzetui, USA um 1843-45.


mittig: Daguerreotypieporträt des englischen Medizinstudenten Bolton, 1/9-Platte im Rähmchen mit Aufhänger, England 1845.

unten links: Klebezettel auf der Rückseite der englischen Daguerreotypie: "My father. 1845. A medical student. C. W. Bolton".

Beide Daguerreotypien Sammlung Voigt


   
   
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