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TECHNIKEN

Die ersten Bilder waren noch kraftlos, fade und grau. Sie besaßen den Nachteil, im Laufe der Zeit zu erlöschen. Von Jahr zu Jahr begannen sich die Motive wie in Nebel aufzulösen. Hermann Krone (1827 - 1916), ein großer sächsischer Photographiepionier, hat dieses Phänomen in seinen "Photographischen Urmethoden" genau beschrieben. Erst die geniale Erfindung, Daguerreotypien mit einer Lösung von Goldchlorid zu behandeln, brachte den Durchbruch in der Stabilisierungsfrage. Schnell wurde das von Hippolyte Fizeau (1819 - 1896) in Paris entdeckte Verfahren zum Allgemeingut der photographischen Jünger, andere erreichten den dünnen Goldüberzug auf galvanischem Weg. Und so finden sich in zahllosen Zeitungsanzeigen um 1843 Hinweise darauf, daß man nun Bilder fertigen könne, "die nie vergehen". Tatsächlich ist die Daguerreotypie bis heute der stabilste photographische Prozeß geblieben, den wir kennen.
Schon frühzeitig versuchte man, den silbrig spiegelnden Bildern Leben einzuhauchen, indem man sie kolorierte. Der erste, der ein erfolgreiches Verfahren entwickelte, war der Schweizer Daguerreotypist Baptist Isenring (1796 - 1860) aus St. Gallen.
Es hat weltweit nicht an immer neuen Versuchen gefehlt, sich auf diesem Gebiet zu vervollkommnen. Zahllose Patente wurden in vielen Ländern der Erde zur Anmeldung gebracht. Im Prinzip gab es zwei Möglichkeiten: man betupfte die Daguerreotypien mit fein gemahlener Pastellfarbe, der man ebenso pulverisiertes Gummi arabicum als Klebemittel beigefügte (Baptist Isenring) – oder man bemalte die Silberplatten mit Künstlerölfarbe. (Gummi arabicum = wasserlösliche Ausschwitzung von manchen Akazienarten, optisch den Baumharzen ähnlich) Ersteres Verfahren setzte sich durch, denn es erlaubte
besonders feine Nuancierungen.
Gern setzten die Daguerreotypisten Akzente, indem sie goldene Kleidungsteile (Knöpfe, Litzen, Tressen) oder Accessoires (Uhren, Schmuckstücke) mit Goldfarbe hervorhoben. Dazu verwendeten sie echten Goldstaub, der mit einem Bindemittel angerührt wurde. Echtes Gold mußte es sein, da "unechtes Gold" - also Messingpulver - zu Oxidationen auf der Silberplatte führte. Weil man das Gold in kleinen Muschelschalen handelte, nannte man es "Muschelgold".
   

oben: subtil kolorierte Daguerreotypie aus dem Atelier William Edward Kilburn, London um 1850-55. 1/6-Platte. In den Hintergrund ist ein Abend- oder Morgenrot einkoloriert.


mittig: Daguerreotypieporträt eines Mädchens, USA um 1850, 1/6-Platte. Das Kleid ist rot koloriert, Gürtelschließe, Ringe und Brosche sind mit Muschelgold akzentuiert.


unten links: Daguerreotypie mit dem Porträt eines Jungen, USA um 1850. Die Tischdecke ist türkisfarben koloriert, die Knöpfe an der Kleidung sind mit Muschelgold abgesetzt.

Alle drei Daguerreotypien Sammlung Voigt


   
   
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