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APPARATE UND PLATTEN

Erste Kameras wurden in Paris durch die Gebrüder Susse, sowie durch Alphonse Giroux (in Kooperation mit Daguerre) hergestellt. Es waren hölzerne Kästen, die im Falle Giroux mit einem Echtheitssiegel Daguerres versehen wurden. Diese Grundform der Kamera hat sich für das Daguerreotypieren durchgesetzt. Eine gravierend abweichende Form brachte die Wiener Firma Voigtländer 1841 zur Marktreife. Die Kamera, die sich jedoch nicht behaupten konnte, bestand ganz aus Messing. Mit ihr wurden runde Daguerreotypien erzeugt. Das eigentlich bahnbrechende war allerdings das verwendete Objektiv, das nach Berechnungen des Wiener Mathematikprofessors Petzval ausgeführt war. “Es gelang (...) diesen Künstlern, eine solche Verstärkung des Lichts zu bewirken, dass die Dauer des eigentlichen, mit der Camera obscura geschehenden Processes im Winter bei bedeckten Himmel auf drei Minuten und im Sommer bei Sonnenschein auf 45 Secunden herabgebracht ward. Durch diese beträchtliche Verkürzung der Zeitdauer ist es eigentlich erst möglich geworden, das Gesicht einer Person ohne alle äussere Hilfsmittel, nur durch Richtung der Augen auf einen gewissen Punkt, ganz zwanglos für die zur Ausführung des Porträts nöthige kurze Zeit zu fixiren.” (Zitiert aus der “Praktischen Anweisung zum Daguerreotypieren”, erschienen in Leipzig im August 1842) Wenn der Voigtländerschen Metallamera auch nicht der ganz große Erfolg beschieden war, so erwies sich doch das Objektiv als revolutionär und wurde weltweit verkauft.
Inzwischen gab es überall auf der Welt findige Optiker und Mechaniker, die selbst Kameras produzierten oder es zumindestens versuchten. So wurde das Monopol der “echten” Daguerreschen Kamera von Giroux und Daguerre bald gebrochen, was sich natürlich positiv auf die Preisbildung auswirkte. Anfänglich kostete ein solcher Apparat ca. 400 Francs, weshalb er nur wenigen Begüterten vorbehalten blieb.

Eine parallel zu Giroux Kamera entwickelte Variante war die des amerikanischen Feinmechanikers Alexander Wolcott. Er hatte einen Apparat konstruiert, der ohne Objektiv auskam. Mit einem Hohlspiegel wurde das Licht (und damit das Abbild des zu Porträtierenden) eingefangen und auf die Daguerresche Platte umgeleitet. Diese Kameraform wurde in London von Richard Beard seit 1841 benutzt. Er hatte für das alleinige Nutzungsrecht 7000 Pfund bezahlt. Allerdings waren nur kleine Plattenformate möglich, da die objektivlose Kamera sehr lichtschwach war. Nach 1843 kam dieser Apparat schnell außer Gebrauch.

So rasch, wie sich das Daguerresche Verfahren verbreitete, so rasant kam es auch zu einer weitgehenden Vereinheitlichung der Aufnahmeformate weltweit. Nur wenn die Platten überall in die Kameras passten, war dem Verfahren ein Erfolg garantiert. Ausgehend von der so genannten Ganzen Platte (162 x 216 mm) kam es durch Zerteilung zu den Halb- (108 x 162 mm), Viertel- (81 x 108 mm), Sechstel- (72 x 81 mm) und Neuntelplatten (54 x 72 mm). Runde Platten für die Voigtländerkamera besaßen einen Durchmesser von rund 95 Millimetern. Allerdings wurde das Maßsystem nicht so streng gehandhabt, wie es oftmls geschildert wird. Bezeichnungen wie "Viertel-Platte" sind als Näherung zu verstehen.


BUCHTIP

Carsten Grabenhorst: Voigtländer & Sohn. Die Firmengeschichte von 1756 bis 1914. Braunschweig 2002.

   
oben: die legendäre Voigtländer-Kamera Nr. 1, die ganz aus Messing besteht.

mittig: eine kastenförmige Voigtländer-Kamera, aus Nußbaumholz gefertigt. Graphische Darstellung aus dem Photographischen Handbuch von Anton Martin, Wien 1854.

unten links: Querschnitt durch die "echte Pariser" Kamera, Illustration aus Daguerres Büchlein "Das Daguerreotype und das Diorama", übersetzt in deutsche Sprache, Metzlersche Buchhandlung, Stuttgart 1839.


   
   
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